Tsipras und Erdogan einig über Gespräche

Vor seiner Abreise stellte Erdogan den Vertrag von Lausanne von 1923 in Frage, der den Grenzverlauf zwischen den beiden Nachbarn regelt. Der Luftraum und die Seegrenze könnten "verbessert" werden, sagte Erdogan.

Im Zusammenhang mit der griechischen Minderheit in Griechenland erinnerte Erdogan an das in 1923 von elf Staaten unterzeichnete Abkommen von Lausanne und machte darauf aufmerksam, dass diesem Abkommen auch Japan angehört. Seitdem gibt es Streit um den genauen Verlauf der Grenze. "Die griechische Regierung und der Ministerpräsident hoffen, dass der Besuch eine Gelegenheit ist, Brücken zu bauen, nicht Mauern", sagte der Sprecher.

Bereits am Vorabend hatte Erdogan in einem Interview mit dem griechischen Fernsehsender Skai die Aktualisierung jenes Vertrags gefordert, der die Meeresgrenzen und die Zugehörigkeit von Inseln in der Ägäis bestimmt.

"Gewisse Dinge müssen sich ändern", forderte Erdogan. Es ist aber der erste Besuch eines türkischen Staatschefs in Griechenland seit 1952. Erdogan war 2004 und 2010 als Regierungschef in Athen, aber noch nicht seit seiner Wahl zum Präsidenten 2014. Er plant nach Angaben griechischer Medien zunächst einen Besuch der rund 100.000 Menschen starken türkischen Minderheit in Westthrazien, deren angebliche Diskriminierung Ankara beklagt.

Alexis Tsipras empfängt Recep Tayyip Erdogan
Alexis Tsipras empfängt Recep Tayyip Erdogan

Im Vordergrund des Besuchs dürften große gemeinsame Infrastrukturprojekte stehen, über die Erdogan reden will: eine neue Grenzbrücke über den Evros in Thrakien, eine Trasse für Hochgeschwindigkeitszüge zwischen Istanbul und Thessaloniki und die Ausweitung der Fährverbindungen in der Ägäis, vor allem zwischen den Metropolen Izmir und Thessaloniki.

Tsipras erklärte, Athen sei für eine weitere Annäherung der Türkei an die EU: "Das ist von strategischer Bedeutung". Zudem drängte er ihn, Reformen in der Türkei zu beschleunigen.

Unter Erdogans Regierung hat sich das historisch schwierige Verhältnis zu Griechenland eigentlich verbessert, und Erdogan unterhält gute Beziehungen zu Tsipras. Auch wirft Ankara dem Nachbarn vor, zahlreichen Beteiligte am gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 Zuflucht zu bieten. Während des Besuchs werden laut der griechischen Zeitung "Kathimerini" 2800 Polizisten, Spezialkräfte und Scharfschützen Erdogan beschützen. Die nach dem Putschversuch nach Griechenland geflohenen Mitglieder der gülenistischen Terrorvereinigung, FETÖ müssten unverzüglich an die Türkei ausgeliefert werden.

In einem am Mittwoch gesendeten Interview sprach sich Erdogan dafür aus, den Vertrag von Lausanne neu zu verhandeln. Wenn die Frage in den Händen der Justiz bliebe, werde es kein Ergebnis geben, sagte er.


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