Medienschaffende in 2017 getötet - 326 sitzen in Haft

Weltweit sind in diesem Jahr mindestens 65 Journalisten und andere Medienmitarbeiter getötet worden, weil sie ihren Beruf ausgeübt haben.

Die Vorstandssprecherin von "Reporter ohne Grenzen", Katja Gloger, nannte es "ein erschreckendes Zeichen", dass so viele Journalisten außerhalb von Kriegsregionen ermordet werden. Fast die Hälfte der 65 Getöteten starb außerhalb von Regionen mit bewaffneten Konflikten, etwa in Ländern wie Mexiko oder auf den Philippinen, teilte die Organisation in Berlin bei der Vorlage ihrer jährlichen Bilanz der Pressefreiheit mit.

39 der im Jahr 2017 getöteten Medienschaffenden wurden wegen ihrer journalistischen Tätigkeit gezielt ermordet. Neben Mexiko und den Philippinen gelten Syrien, Afghanistan und der Irak als die gefährlichsten Länder für Journalisten. In China wiederum verweigert das Regime inhaftierten Kritikern vorsätzlich eine angemessene Gesundheitsversorgung und nimmt deren Tod in Kauf, kritisiert der Jahresbericht. Viele der nach dem Putschversuch im Sommer 2016 Verhafteten sitzen auf diese Weise seit mittlerweile anderthalb Jahren im Gefängnis; der deutsche Korrespondent Deniz Yücel ist seit Februar in Haft, obwohl gegen ihn noch nicht einmal Anklage erhoben wurde.

Auch 2017 waren zahlreiche Medienschaffende weltweit Gewalt und Repressionen ausgesetzt.

Laut der ROG-Jahresbilanz sitzen zudem mehr als 300 Medienschaffende derzeit in Haft, davon knapp die Hälfte allein in fünf Ländern: in der Türkei, in China, Syrien und Iran sowie in Vietnam. Die Rebellengruppe, die neben der Hauptstadt Sanaa viele weitere Landesteile kontrolliert, duldet keinerlei öffentliche Kritik.

Zwei Medienschaffende sind im Laufe des Jahres verschwunden: ein Blogger in PAKISTAN und ein Journalist in BANGLADESCH.

Gewalt und Drohungen gegen Journalisten zielen stets darauf ab, die Betroffenen zum Schweigen zu bringen, ihre Kollegen einzuschüchtern und die Öffentlichkeit von unabhängigen Informationen abzuschneiden.

ROG fordert die Vereinten Nationen auf, endlich zu handeln: Ein UN-Sonderbeauftragter für den Schutz von Journalisten könnte völkerrechtliche Vorschriften durchsetzen und damit die Zahl von Übergriffen und Gewaltakten wirksam verringern. Sie hätten aber bisher kaum Auswirkungen auf die Lage der Medienleute.


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