Nach fast 30 Jahren: So klärte die Polizei die Göhrde-Morde auf

Lüneburg. Nach der Aufklärung der vier Göhrde-Morde aus dem Jahr 1989 prüft die Polizei jetzt bundesweit weitere ungelöste Mordfälle.

Lüneburg/dpa - Zwei mysteriöse Doppelmorde in der Nähe von Lüneburg sind nach fast 30 Jahren aufgeklärt. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Täter für weitere Morde verantwortlich sei, teilte die Polizeidirektion Lüneburg am Donnerstag mit. Die Lüneburger Staatsanwaltschaft bestätigte eine übereinstimmende DNA-Untersuchung.

Die Polizei prüft derzeit, ob W. noch weitere Morde begangen hat. Die Spuren waren bereits damals gesichert worden, konnten aber erst jetzt mit Hilfe neuster Techniken zweifelsfrei der "Blonden Bestie" zugeordnet werden, wie die Polizei bekanntgab. "Das lässt den Schluss zu, dass er mit den Göhrdemorden in Zusammenhang stehen könnte". Das ergibt sich nach der Auswertung alter Spuren. In dem Waldstück bei Lüneburg in Niedersachsen waren im Mai und im Juli 1989 zwei Paare ermordet entdeckt worden. Ein Ehepaar aus Hamburg war vor seinem Tod zum Picknick in das Gebiet gefahren, ebenfalls mit dem Auto waren eine Frau aus Uelzen und ihr Begleiter aus Hannover gekommen. Der Friedhofsgärtner, der damals mit ihr bekannt war, soll sie in seine Gewalt gebracht haben.

Diese Frau, die Ehefrau eines Unternehmers, war im August 1989 in Brietlingen-Moorburg nördlich von Lüneburg verschwunden.

Dafür bestraft werden kann W. nicht mehr: Der Friedhofsgärtner starb bereits 1993, wurde erhängt in seiner Gefängniszelle aufgefunden, bei ihm Abschiedsbriefe, die Anspielungen auf diverse Straftaten enthalten. Bei ihm handelt es sich um einen Friedhofsgärtner, der sich bereits 1993 das Leben genommen hat. Der Fall soll neu aufgerollt werden, ebenso wie der Sexualmord an Ulrike Burmester aus dem Jahr 1969. Doch auch nach seinem Suizid hatte der Bruder der Frau und ehemalige Leiter des Landeskriminalamts Hamburg nie aufgegeben - er hatte privat weiter ermittelt.

Ein fünftes Opfer fand die Polizei im September 2017 unter der Garage des Hauses, in dem der Gärtner damals lebte. Deswegen wurde eine "Clearing-Stelle" eingerichtet, bei der Polizeien aus dem Bundesgebiet ihre ungeklärten Fälle melden können.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der für die Morde in der Göhrde ermittelte Gärtner bei seinen Taten nicht immer allein gehandelt haben könnte. Die Fahnder vermuten, dass ein möglicher Mittäter noch lebt. "Zu einer genauen Person sagen wir aus ermittlungstaktischen Gründen noch nichts.", hieß es gestern.


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