Ärztekammer lehnt generelle Alterstests für Asylbewerber ab

Unions-Politiker sind dafür, Ärzte dagegen.

Dienstag, 2. Januar, 08.08 Uhr: Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, hat sich gegen umfassende Alterstests bei Asylbewerbern ausgesprochen.

Auch der Jugendarzt Thomas Nowotny aus dem oberbayerischen Stephanskirchen verwies im ZDF-"Morgenmagazin" auf die Ungenauigkeit der medizinischen Verfahren zu Altersschätzung. Montgomery lehnt einen obligatorischen Alterstest grundsätzlich ab.

Mehrere Unionspolitiker hatten gefordert, das Alter von Flüchtlingen etwa durch ein Röntgenbild des Handgelenks zu überprüfen. Er ist ein nach Behördenangaben ebenfalls 15 Jahre alter Flüchtling aus Afghanistan.

Montgomery sagte: "Röntgen ohne medizinische Indikation ist ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit".

In Kandel, zum Beispiel, wo ein Mann laut Staatsanwaltschaft eine Fünfzehnjährige niedergestochen hat, könne das Alter des Verdächtigen nun zurecht medizinisch untersucht werden. Wenn der mutmaßliche Täter volljährig wäre, könnte für ihn Erwachsenenstrafrecht oder - bis zum Alter von einschließlich 20 Jahren - auch noch Jugendstrafrecht gelten. "Das ist furchtbar. Aber man wird das durch solche Untersuchungen nicht verhindern können", so Nowotny im ZDF. Auch wenn man bei der Ankunft des Afghanen im April 2016 in Deutschland geschätzt hätte, dass er 17 Jahre alt ist, "hätte das jetzt nichts geändert", sagte er.

Zuletzt hatte die Zentrale Ethikkommission der Bundesärztekammer Ende 2016 sowohl die Zuverlässigkeit als auch die Verfassungskonformität von ärztlichen Altersfeststellungen angezweifelt.

Mainz/Kandel. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sieht keine Notwendigkeit für schärfere Regeln zur Altersfeststellung junger Flüchtlinge. Es gebe eine klare gesetzliche Regelung und diese reiche derzeit aus, sagte sie im SWR. "Damit ist klar, dass es die Aufgabe der Jugendämter ist, im Rahmen der Inobhutnahme eine Altersfeststellung vorzunehmen". "Ich glaube, dass diese gesetzliche Regelung wirklich besonnen getroffen worden ist und aus meiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt auch ausreichend".


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