Todestag von Oury Jalloh: Tausende demonstrieren in Dessau

Was geschah vor 13 Jahren?

Der Fall Oury Jalloh ist, neben dem des NSU-Terrornetzwerks, einer der zentralen Justizskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte. Und 13 Jahre ohne Ergebnis, das bedeutet auch, dass eine Aufklärung nie erwünscht war, dass der vielbeschriebene Korpsgeist bei der Polizei lebendig ist, dass es sehr viele Deutsche analog zum NSU nicht stört, wenn der Tod von Nichtdeutschen oder der Mord an ihnen weder aufgeklärt noch geahndet wird.

Todestag von Oury Jalloh haben in Dessau-Roßlau Tausende des in Polizeigewahrsam gestorbenen Afrikaners gedacht. Die Veranstalter sprachen von mehr als 4000.

Die Teilnehmer zogen mit Fahnen und Transparenten durch die Stadt. Für sie war immer klar: Oury Jalloh, Asylbewerber aus Sierra Leone, hat sich auf genau diese Weise selbst getötet.

Der Asylbewerber aus Sierra Leone kam am 7. Januar 2005 bei einem Feuer in einer Dessauer Polizeizelle ums Leben.

Jalloh war stark betrunken und hatte Drogen genommen. Weil er sich heftig gewehrt haben soll, wurde er an Händen und Füßen gefesselt.

Während in zwei Landgerichtsprozessen eine Entzündung durch Jalloh selbst als wahrscheinlich angesehen wurde, vertrat die Initiative Oury Jalloh stets die Ansicht, der Mann sei ermordet worden. Das Verfahren wurde 2017 eingestellt. Aktuell überprüft die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg die Entscheidung.


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