Warnstreikwelle der IG Metall rollt

Die IG Metall will ein individuelles Recht auf eine zeitweise Arbeitszeitverkürzung auf 28 Wochenstunden durchsetzen und fordert Zuschüsse für Arbeitnehmer, die weniger arbeiten, um Angehörige zu pflegen oder Kinder zu betreuen. Wie die Gewerkschaft mitteilte, legten in Leipzig rund 450 Mitarbeiter verschiedener Gießereien vorübergehend die Arbeit nieder.

Die Gewerkschaft will ihre Aktionen jetzt schrittweise ausweiten.

Von den Streiks betroffen waren insgesamt 280 Betriebe, darunter Werke von Fahrzeugherstellern wie Daimler, BMW und MAN sowie Zulieferer wie Bosch, Schäffler und Continental. Außerdem beteiligten sich Beschäftigte von Siemens und ThyssenKrupp an dem Ausstand.

Anderthalb Stunden dauerte der Streik im VW-Motorenwerk. Der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler kündigte bei einer Kundgebung mit 4000 Beschäftigten in Schweinfurt den vielleicht härtesten Tarifkampf seit 20 Jahren an. "Aber sie wollen auch mal kürzer treten können, wenn es ihre Lebensumstände erfordern". Zudem rief die Gewerkschaft Beschäftigte in Sachsen und Thüringen zu kurzzeitigen Arbeitsniederlegungen auf. Die Warnstreiks in Bayern würden jetzt von Tag zu Tag gesteigert. Die Beschäftigten in anderen Betrieben "scharren schon mit den Hufen". Ab Dienstag sind etwa auch in Bayern größere Ausstände geplant. Hoch war die Streikbeteiligung unter anderem auch in Baden-Württemberg, im Saarland und in Berlin.

Ein unbefristeter Arbeitskampf in den auf Hochtouren laufenden Schlüsselbranchen wie Auto, Maschinenbau und Elektro wäre für die Unternehmen schmerzhaft und durchaus außergewöhnlich.

Die Arbeitgeber warnten die Gewerkschaft vor überzogenen Protesten und forderten eine Lösung am Verhandlungstisch.

"Die Beschäftigten erwarten Arbeitszeiten, die zum Leben passen, und werden dafür weiter Druck machen". Die Arbeitgeber lehnen vor allem den letzten Punkt ab.

Die Arbeitgeber haben 200 Euro Einmalzahlung und eine Entgelterhöhung um 2 Prozent mit einer Gesamtlaufzeit von 15 Monaten angeboten. Immer noch müssen ostdeutsche Tarifbeschäftigte für das gleiche Geld drei Stunden in der Woche länger arbeiten als ihre Kollegen im Westen. Der Experte Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sieht daher die Tarifbeschäftigten bei den Verhandlungen in einer starken Position.

Die dritte Verhandlungsrunde für die Branche beginnt am Donnerstag in Baden-Württemberg.


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