Neue Algorithmen für Facebook: Weniger Nachrichten, mehr Persönliches

Es geht um russische Einmischung in den US-Wahlkampf 2016. Beiträge von teils gefälschten Nutzerprofilen erreichten rund 126 Millionen Nutzer und damit etwa die Hälfte der US-Wahlberechtigten. Dabei wird Facebook mit Hilfe seiner Algorithmen versuchen, vorherzusagen, über welche Beiträge man sich wohl austauschen wollen werde. Inhalte, zu denen sich ein Nutzer und seine Freunde wahrscheinlich äußern werden, sollen also höher im Newsfeed platziert werden. Beiträge von Freunden und Familie sollen wieder in den Vordergrund rücken.

Die Zahl der Anzeigeplätze im Newsfeed werde nicht erhöht, sagte Facebook-Manager John Hegeman. Inhalte-Anbieter können aber auch weiterhin Platz im Nachrichtenstrom der Nutzer über Facebooks Anzeigenplattform kaufen.

Für viele Unternehmen und Medien dürften die Änderungen einen radikalen Schnitt bedeuten.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte in seiner Neujahrsbotschaft angekündigt, das soziale Netzwerk in diesem Jahr verbessern zu wollen. Und so könnte am Ende die Entscheidung des Netzwerks nicht nur im Sinne die seelischen Gesundheit der Nutzer, sondern der Werbekasse erfolgt sein.

► Nutzer können allerdings selbst in den Einstellungen dafür sorgen, dass die Beiträge von Seiten, denen sie folgen, ganz oben im Newsfeed auftauchen - und damit die Änderung aushebeln.

"Ich ändere das Ziel für unsere Produkt-Teams: Statt sich darauf zu konzentrieren, Sie beim Finden relevanter Inhalte zu unterstützen, sollen sie Ihnen helfen, bedeutsamere soziale Beziehungen zu haben", erklärte Zuckerberg. Noch in diesem Monat sollen verschiedene Anhörungen im Kongress anstehen, bei der es um die Rolle von Plattformen wie Facebook, Twitter und der Alphabet-Tochter YouTube bei der Verbreitung von Propaganda gehen soll. Aber es passiere auch zu oft, dass die Nutzer dann doch nur passiv Filme anschauten, News läsen oder auf die nächste Aktualisierung warteten.

Ein Grund für die Änderungen sei auch, dass laut Studien Kontakte über soziale Medien mit Menschen, die einem wichtig sind, gut für das Wohlbefinden sein könnten. Facebook verspüre eine Verantwortung dafür, dass Dienste des Netzwerks gut für das Wohlbefinden seien.

Er rechne damit, dass mit den Änderungen Menschen weniger Zeit bei Facebook verbringen würden, räumte Zuckerberg ein. Auf lange Sicht würden sich die Veränderungen allerdings für Mitglieder wie Firmen auszahlen. "Wir müssen das System neu fokussieren", sagte Zuckerberg der "New York Times".


Beliebt

VERBINDEN