Bauernverband fordert radikalen Abschuss von Wildschweinen

Allerdings werde die Schonzeit für Wildschweine zunächst nicht ausgesetzt, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums.

Berlin. Die Afrikanische Schweinepest droht auf Deutschland überzugehen.

Jägervertreter halten das für unsportlich und kritisieren, dass die Wildschweine in der Zeit, bis der Jäger kommt, unnötig lange leiden würden.

Bauern- und Jagdverband haben von der Politik eine erleichterte Jagd auf Wildschweine gefordert, um ein Übergreifen der Afrikanischen Schweinepest auf Deutschland zu verhindern. Die Tierseuche breitet sich seit einigen Jahren über Russland und das Baltikum in Richtung Westeuropa aus.

An erster Stelle steht dabei die intensive Bejagung von Wildschweinen, die als wichtigster Überträger der Krankheit auf Hausschweine gelten. Allerdings gibt es keine rechtliche Grundlage, um einem Brummifahrer seine Rohpolnische abzunehmen. Dieser Handel sei aber sehr wichtig, da solche Staaten Teile wie Pfoten, Ohren und Speck nachfragten, die von deutschen Verbrauchern nicht verzehrt würden.

Im zurückliegenden Jagdjahr hatten Deutschlands Jäger 589.417 Wildschweine erlegt oder sie verendet gefunden (4 Prozent), wie der Jagdverband am Freitag mitteilte. "Ohne Jagd würde der Bestand jedes Jahr um rund 250 Prozent anwachsen: Dort, wo heute 100 Schweine leben, wären es im darauffolgenden Jahr 350". Auch der Muttertierschutz müsse unbedingt eingehalten werden. Trotzdem ist das NRW-Landwirtschaftsministerium tätig geworden: Alle unteren Jagdbehörden, auch die des Oberbergischen Kreises, haben einen Erlass erhalten, gemäß dem die Schonzeit für Schwarzwild, die eigentlich am 15. Januar beginnt, auszusetzen ist, und zwar gleich bis März 2021. Die Landwirtschaft müsste durch Schneisen in den Feldern für bessere Bedingungen sorgen. Würden auf den Streifen Wildkräuter ausgesät und Ende Juli für Biogasanlagen geerntet, bringe das Landwirten, Jägern, Brutvögeln und Insekten etwas.

Der massenhafte Abschuss von Wildschweinen ist aber umstritten. Die Streifen gälten aber nicht mehr als ökologische Vorrangflächen, wenn sie abgeerntet würden.

Fallen müsse auch eine weitere bürokratische Hürde, forderte Reinwald: das Jagdverbot in vielen Naturschutzgebieten.

Auch die internationale Umweltorganisation WWF verweist auf hausgemachte Ursachen. Ein Ausbruch der Krankheit in Deutschland wäre eine Katastrophe und würde nicht nur die großen Mastbetriebe treffen, so AbL-Sprecher Ulrich Jasper gegenüber "nd". Die Zahlen gingen durch die Decke, seit der großflächige Anbau von Mais und Raps stark zugenommen habe. Auch bezüglich des Abschusses von Bachen mit Frischlingen, mit der man Bestände deutlich effektiver reduzieren könnte als mit der bloßen Jagd auf Keiler, haben Jäger und Bauern unterschiedliche Meinungen.


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