Berliner Pannen-Gefängnis Plötzensee: Es sind noch mehr Fälle als bisher bekannt!

Insgesamt drei aus dem offenen und einer aus dem geschlossenen Vollzug stellten sich damit bislang oder wurden festgenommen. Von den vier Männern, die am vergangenen Donnerstag aus dem geschlossenen Vollzug in Plötzensee ausgebrochen waren, ist damit noch einer flüchtig. Für die Berliner Justiz sei es "kein schöner Jahresbeginn" gewesen. Dennoch: Die Frage nach einem Rücktritt "bewegt mich derzeit nicht". Auch von den ersten vier Ausbrechern stellte sich am Dienstag einer zusammen mit seinem Anwalt. Der Senator sei "nicht mehr zu halten", erklärte der CDU-Innenpolitiker Burkard Dregger. Sven Kohlmeier, rechtspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion will die Aussage seines Parteifreundes jedoch nur als "Kritik am Umgang des Senators mit den Vorfällen "verstanden wissen". Einen solchen Schritt lehnte der Grünen-Politiker aber ab. Bereits gestern musste Justizsenator Dirk Behrendt eingestehen, dass aus der Haftanstalt in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr noch mehr Häftlinge geflohen waren als bisher bekannt war.

Behrendt verweist darauf, dass allein 2017 aus dem offenen Vollzug in Plötzensee 42 Mal Häftlinge entwichen. Von Hannah Beitzer mehr. Das sagte ein Polizeisprecher am Mittwochmorgen. Das sei nicht der Fall. Behrendt sagte dazu: "Ich bin bereit, dem Parlament Rede und Antwort zu stehen". Auch diese Ausbrecher waren keine Schwerkriminellen, sondern waren wegen Diebstahls, räuberischer Erpressung und schwerer Körperverletzung eingesperrt.

Eine Schwachstelle des Sicherheitssystems sei die Außenüberwachung per Kamera.

Die "angespannte Personalsituation" solle sich nun binnen zwei Jahren verbessern.

Eine derartige Ausbruchsserie aus einem deutschen Gefängnis ist selten - und lässt den Druck auf Berlins Justizsenator weiter steigen. Auch drei Männer mit "Ersatzfreiheitsstrafen" sind wieder da, der letzte wurde am Mittwochabend gefasst. Vier aus dem geschlossenen und fünf aus dem offenen Vollzug. Mit einem Hammer zertrümmerten sie einen Betonpfosten in einer Lüftungsöffnung, anschließend sägten sie die Stahlverstärkung unter dem Beton mit einem Trennschleifer durch. Auch in den Jahren davor gab es zwischen 10 und 43 "Entweichungen". Keines der Fenster hat Gitter, es gibt keine hohe Mauer wie im Strafvollzug gleich nebenan. Zudem werde der Anstaltsbereich für den offenen Vollzug nun stärker bewacht. Wie konnte es zu dieser Häufung kommen? Am Mittwoch kündigte er Aufklärung an, insbesondere zum Ausbruch der vier Häftlinge. Einen von ihnen fasste mittlerweile die Polizei.


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