Türkei appelliert an Russland und den Iran: Militäroffensive in Idlib beenden

Die Angriffe richteten sich gegen terroristische Gruppen, die von den Vereinbarungen zur Reduzierung der Kämpfe ausgenommen seien, erklärte das Außenministerium am Donnerstag.

Die Türkei und Frankreich haben ein Ende der syrischen Militäroffensive in der zur Deeskalationszone erklärten Provinz Idlib gefordert.

Jüngst im Südwesten Syriens: Mit Bussen und Krankenwagen dürfen Dschihadisten, die der Terrororganisation Al-Qaida nahestehen sollen, sowie ihre Familien das belagerte Dorf Beit Jin verlassen, insgesamt rund 300 Menschen.

Die Provinz an der türkischen Grenze wird vor allem von der Extremistengruppe Tahrir al-Sham kontrolliert, deren Kern die aus der Al-Kaida stammende Al-Nusra bildet.

An die Führungen in Moskau und Teheran gerichtet, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu: "Wenn ihr Garantiemächte seid, und das seid ihr, müsst Ihr das Regime stoppen". Die am 25. Dezember gestartete Offensive sei nicht einfach eine Luftoffensive. "Es hat eine andere Absicht". Laut einer Meldung der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu stehen regierungstreue Einheiten neun Kilometer vor dem von Rebellen gehaltenen Luftwaffenstützpunkt Ebu Zuhur und damit rund 50 Kilometer südlich der türkischen Truppen in Idlib. Allerdings gilt diese nicht für die Dschihadisten der Fateh-al-Scham-Front, die große Teile von Idlib kontrolliert. Dabei eroberten sie bereits zahlreiche Dörfer.

Bei den schweren Luftangriffen in der Region wurden laut Aktivisten bereits viele Zivilisten getötet. Demnach verletzt die Offensive die Deeskalationszone, die auf Initiative der Türkei, Russlands und des Iran in Idlib eingerichtet worden war. Die türkische "Humanitarian Relief Foundation" spricht auf ihrer Facebook-Seite inzwischen von 150 000 Flüchtlingen, die sich auf das syrisch-türkische Grenzgebiet zubewegten. Sie unterstützt seit Beginn des Konflikts die Rebellen, hat sich aber zuletzt Russland angenähert, das mit Iran die Regierung in Damaskus unterstützt. Der Streit um Idlib signalisiert nun aber eine erneute Zunahme der Spannungen in dem Trio.

Russland hat die Konfliktparteien für den 29. und 30. Januar zu Gesprächen in Sotschi eingeladen. Nicht nur sei Russlands Verhältnis zur Türkei angespannt, sondern auch zu Assad und Iran. Sonst würden die PKK und ihre syrische Schwesterorganisation YPG dort einen "Syrien-Terrorkorridor" errichten, sagte der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdoğan. Nach UN-Angaben wurden von Dezember bis Anfang dieser Woche fast 100 000 Menschen aus dem Norden der Provinz Hama und dem Süden der Provinz Idlib vertrieben, wie aus am Mittwoch veröffentlichten Zahlen hervorgeht.

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, zeigte sich über die Lage in Idlib und auch in der Rebellenenklave Ost-Ghuta nahe Damaskus extrem besorgt. "Das Leiden in Syrien kennt kein Ende". Die Sicherheit von Hunderttausenden Zivilisten sei gefährdet. Hilfsorganisationen hätten Probleme, den wachsenden Bedarf an Hilfsgütern zu decken. Beobachter befürchten, sie könnten versuchen, ins Nachbarland zu kommen, sollte die Gewalt andere Gebiete erreichen. In dem Gebiet an der Grenze zur Türkei leben nach UN-Angaben mehr als 2,5 Millionen Menschen, darunter mehr als eine Million Vertriebene.

Im Nordosten Syriens wird sich die Lage in absehbarer Zeit ebenfalls zuspitzen: Ankara kündigte an, in die kurdischen Regionen Afrin und Manbij einmarschieren zu wollen.


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