Tunesien kündigt nach Protesten Aufstockung von Sozialprogrammen an

Zum Jahrestag der Revolution blieb es friedlich. In Sprechchören wandten sie sich gegen "Armut und Hunger". Die Regierung sprach von Plünderern, die die legitimen Proteste der Bevölkerung ausnutzen würden. Nach Angaben des Innenministeriums wurden mehr als 800 Menschen festgenommen. Die Erfahrung des demokratischen Überganges sei noch sehr zerbrechlich. Zuvor hatte die Regierung Millionenhilfe für Bedürftige zugesagt. Euro an 120.000 Bedürftige verteilt werden, wie bei einem hochrangigen Treffen bei Präsident Beji Caid Essebsi gestern Abend beschlossen wurde. "Wir müssen mit den Reformen weiter voranschreiten", sagte Essebsi im Stadtteil Ettadhamen, in dem es in der vergangenen Woche große Proteste gegeben hatte.

Ausserdem sollen Arbeitslose eine kostenlose medizinische Behandlung bekommen.

Tunesien galt lange Zeit als Vorzeigeland der Demokratisierung nach dem "arabischen Frühling", doch die wirtschaftlichen und sozialen Probleme sind erdrückend. Fast jeder dritte Hochschulabgänger findet keinen passenden Job, die Staatsverschuldung liegt bei rund 70 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Der Internationale Währungsfonds (IWF) knüpft die Zahlungen an umfassende wirtschaftliche Reformen. Mit dem Finanzgesetz hatte sich die Mehrwertsteuer um ein Prozent erhöht. Lebensmittel, Benzinpreise und die Kosten für Telekommunikation wurden teurer.


Beliebt

VERBINDEN