Dieses Gedicht soll sexistisch sein? Jetzt wehrt sich der Verfasser!

"Das ist ein Eingriff in die Freiheit von Kunst und Poesie", sagte der 93-Jährige am Dienstag der dpa. Er behalte sich rechtliche Schritte vor, um das Werk zu retten.

In einer Mitteilung der Hochschule heißt es dazu wörtlich: "An das Gedicht, avenidas' von Professor Eugen Gomringer schließt somit ab Herbst 2018 ein Gedicht von Barbara Köhler an". Der Deutsche Kulturrat, Spitzenorganisation von 250 Bundeskulturverbänden, reagierte "erschüttert". Der Streit um das Gedicht "avenidas" des Schweizer Lyrikers Eugen Gomringer an einer Berliner Hochschulwand wird mit der Entscheidung vom Dienstag vermutlich noch nicht beigelegt sein - er kocht vielleicht erst richtig hoch. Das Problem mit dem bisherigen Gedicht "avenidas" (Alleen) wird in dessen Schlusssatz gesehen - "Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer". Der Fall hatte international Aufsehen erregt.

Ein angeblich sexistisches Gedicht an der Fassade der Alice Salomon Hochschule in Berlin wird übermalt.

Der Akademische Senat nahm den Antrag an, doch Rektor Uwe Bettig war zunächst dagegen, Gomringers Werk zu entfernen, und schlug vor, das Gedicht in einen anderen Kontext zu rücken, etwa durch eine weitere Strophe. Das Deutsche PEN-Zentrum und der Kulturrat warnten vor Zensur.

Seit mehr als sechs Jahren ziert das Gedicht die Hauswand. Künftig soll alle fünf Jahre der Text eines neuen Poetik-Preisträgers an die Fassade der Hochschule im Stadtteil Hellersdorf gepinselt werden.

Köhler, die 2017 von einer Jury gewählte aktuelle Alice-Salomon-Poetikpreisträgerin, hatte der Hochschule angeboten, ihr eines ihrer Gedichte zu schenken, mit der Auflage, dass dieses maximal sieben Jahre dort verbleiben dürfe und der Vorschlag zuvor mit den Mitgliedern der Hochschule diskutiert werde. Der paritätisch besetzte Senat entschied sich nun mit acht von zwölf Stimme für eine von mehreren vorgeschlagenen Alternativen. Sollte sich der Schritt nicht vermeiden lassen, habe er die Hochschulleitung aufgefordert, mit drei Plakaten an sein Gedicht und die Debatte darum zu erinnern.


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