Jeder Volljährige wird automatisch Organspender

Wer kein Organspender sein möchte, muss sich bei der zuständigen Behörde melden und der Registrierung widersprechen ("Widerspruchlösung").

Die gesetzliche Regelung zur Organspende wird in den Niederlanden neu strukturiert. 38 Abgeordnete stimmten für die sogenannte Widerspruchslösung, 36 dagegen.

Wie bisher gibt es einen Organspendeausweis.

Wie machen es andere Länder?

Wer dann nicht ausdrücklich widerspricht, wird als Spender registriert. Auch die Nachbarn Belgien, Luxemburg, Frankreich, Österreich und Polen haben eine Widerspruchslösung - und deutlich höhere Organspenderzahlen als Deutschland. Die Niederlande sind mit dieser Gesetzesänderung das 18. europäische Land, das zur Widerspruchslösung bei der Organspende wechselt.

Ist so ein Gesetz auch in Deutschland denkbar?

Wer nicht antworte, gelte als potenzieller Organspender, könne diesen Status aber jederzeit ändern. Mit Blick auf einen großen Organmangel und sterbende Patienten auf den Wartelisten fordern einzelne Politiker immer wieder die Einführung einer Widerspruchslösung - auch in der Bundesrepublik. Die Initiatoren hoffen auf mehr Spenderorgane mit dem neuen System.

Bislang gilt aber noch die Zustimmungslösung, die allerdings noch um Mitentscheidungsrechte der Angehörigen erweitert ist. Mit 9,3 Spendern pro eine Million Einwohner liegt die Deutschland in Europa auf einem der untersten Tabellenränge. Darin steht, ob derjenige generell mit einer Organ- und Gewebespende einverstanden ist oder auch nicht.

Erst kürzlich wagte sich der Gesundheitsexperte der SPD-Fraktion, Karl Lauterbach, mit einer entsprechenden Forderung nach einer Widerspruchslösung aus der Deckung. Der SPD-Politiker verweist deshalb darauf, dass alles getan werden müsse, um ein Nein zur Organspende auch verlässlich zu dokumentieren - etwa im Führerschein, im Personalausweis und mit einem eigenen Organspendeausweis. Jede volljährige Person, die sich noch nicht für eine Organspende registrieren lassen habe, werde demnächst einen Brief erhalten, in dem sie gefragt werde, ob sie ihre Organe nach ihrem Tod für Transplantationen zur Verfügung wolle. Ebenso sei sie für die katholische Kirche nicht akzeptabel, denn eine Organspende soll eine freiwillige und nicht etwa eine aufgezwungene Entscheidung sein. Er weist darauf hin, dass dort auch bei Patienten mit Herztod Organe entnommen werden. Hier gilt der Hirntod als entscheidende Barriere für eine mögliche Organspende.


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