Nach Fake-News-Vorwürfen: ORF-Journalist Armin Wolf klagt gegen Österreichs Vizekanzler

In 32 Jahren als Journalist habe ihm noch nie jemand vorgeworfen, er würde in seiner Arbeit lügen, erklärte er.

"Ich finde, die Attacken der FPÖ – einer Regierungspartei – auf unabhängige Medien und ihre persönlichen Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten erreichen mittlerweile ein demokratiepolitisch wirklich bedenkliches Ausmaß", so der ORF-Anchorman weiter. Nachsatz: "Und dabei geht es nicht um diese Rechtsfrage, denn dass Herr Strache für dieses Posting verurteilt werden wird, ist ja überhaupt keine Frage".

Strache distanziert sich aber nicht von dem Posting und nahm den Vorwurf auch nicht zurück. FPÖ-Chef Strache legte nun via Facebook sogar noch nach. "Es war und ist Kritik am ORF in Form von überspitzter Satire bezüglich der tendenziösen und manipulativen Berichterstattung in der jüngeren Vergangenheit!" Schon gar nicht durch mächtige Politiker, die bereits angekündigt haben, "im Sinne der Objektivität auch im ORF Optimierungen vornehmen" zu wollen (Heinz-Christian Strache am 16.12.2017 bei der Vorstellung der türkis-blauen Koalition).

Strache hat am Dienstag "ausdrücklich" festgehalten, sein "Lüge"-Vorwurf sei "nicht personenbezogen" gegen ZiB 2-Moderator Armin Wolf gemeint gewesen". Anlass: Strache hat auf seiner persönlichen Facebook-Präsenz ein an die ORF-Werbekampagne "Wie wir" angelehntes Sujet gepostet. Das Posting sei auch als solche gekennzeichnet gewesen. Der verantwortliche ORF-Landesdirektor entschuldigte sich für den Beitrag.

Straches Posting ging manchem zu weit.

Der ORF wies die "pauschalen Anschuldigungen und Unterstellungen gegenüber seinen Redaktionen sowie gegen Armin Wolf persönlich auf das Schärfste zurück", so ein Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur APA.

Gerold Riedmann, Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten, sagte, dass "im ORF alles und jeder kritisiert werden" darf. Man werde "unverzüglich bei Facebook die Löschung dieses Postings veranlassen" und weitere rechtliche Schritte prüfen. Darin heißt es unter anderem: "Es handelt sich um eine massive Grenzüberschreitung durch ein führendes Mitglied der österreichischen Bundesregierung".

Dies markiere "einen Tiefpunkt im Umgang Heinz-Christian Straches mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk". Gegen sachliche Kritik an Berichterstattung sei nichts einzuwenden.

Seit Wochen brodelt es zwischen ORF und FPÖ.

Die "vollkommen satirefreie 'Satire'" stößt auch der IG Autorinnen und Autoren auf.

ZiB-2-Anchor Armin Wolf gilt als österreichischer Twitter-König, ist seit 2010 aber auch auf Facebook aktiv. "Dieser Angriff ist Politpropaganda der übelsten Art". "Ziel dieser Attacke ist einzig und allein die Verleumdung eines kritischen Journalisten und des Mediums, für das er arbeitet".


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