Portraits enthüllt Was zwei Obama-Bilder über das Trump-Amerika aussagen

Für das traditionelle Porträt, das nach der Amtszeit eines Präsidenten offiziell in den Kunst- und Kulturschatz der Vereinigten Staaten von Amerika übergeht, wählten der frühere US-Präsident Barack Obama und seine Ehefrau Michelle zwei Künstler mit un-klassischem Stil: Kehinde Wiley malte den 44. Präsidenten auf einem Holzstuhl vor einem dichten Hintergrund grüner Blätter und Blüten. Amy Sherald porträtierte die frühere First Lady selbstbewussten, nachdenklichen Blickes vor enteneiblauer Farbe.

Dem ehemaligen US-Präsidenten gefällt das Porträt seiner Ehefrau: "Ziemlich scharf", urteilte Obama - und bedankte sich für die gelungene Darstellung seiner Gattin: "Anmut, Schönheit, Intelligenz, Charme und Attraktivität der Frau, die ich liebe, wurden spektakulär eingefangen". Es dürfte ihn nicht sonderlich überrascht haben, als ein lautes, beinahe euphorisches Echo aus dem Saal zurück tönte: "Wir vermissen dich auch!"

Gerade beim Hauptstadtpublikum, wo Trumps Republikaner traditionell keine Rolle spielen, ist die Sehnsucht nach dem "besseren Präsidenten" groß, nach der Lässigkeit eines scherzenden Barack Obama, nach der Souveränität der First Lady Michelle, die humorvoll den Saal erobert, aber genauso ernst und tiefgründig reden kann.

David Skorton, der Geschäftsführer der staatlichen Museen in Washington, erinnerte nicht umsonst an die "Umarmung, die im ganzen Land gespürt wurde". Sherald ist bekannt für ihre Porträts, die Gesichter von Farbigen in unterschiedlichen Grautönen zeigen - so auch bei Michelle Obama. Das Bild ging um die Welt.

Ein Jahr nach den Obamas scheint den Amerikanern so etwas zu fehlen.

Jedes Lob, das die Laudatoren Obama zuteil werden ließ, schien wie eine Ohrfeige für seinen Nachfolger. "Ich weiß um den Einfluss, den das auf ihr Leben haben wird, weil ich einmal eines von diesen Mädchen war". Über die Zusammenarbeit mit Wiley sagte er: "Ich habe versucht, kleinere Ohren herauszuhandeln".

Mister Obama gibt sich bei der Enthüllung selbstironisch.

Barack Obama wählte mit Wiley auf Vorschlag der Galerie erstmals einen afro-amerikanischen Künstler für ein Präsidentenporträt aus.

Kurz nach der Wahl trafen sich Donald Trump (l.) und Noch-Präsident Barack Obama (r.) zum Gespräch.


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