Riefenstahl-Nachlass an Berliner Stiftung

"Mit dem Nachlass hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz nicht nur ein bahnbrechendes ästhetisches Werk übernommen", erklärte Stiftungspräsident Hermann Parzinger, "sondern auch eine besondere Verantwortung für die kritische Auseinandersetzung mit dieser streitbaren Person der Zeitgeschichte". Dieser umfasst umfangreiche Fotografie- und Filmbestände, Manuskripte, Briefe, Tageskalender, Akten und Dokumente sowie Presseausschnitte und Bücher, wie die Stiftung am Montagabend in Berlin mitteilte.

Dabei werde eine Kooperation mit der Stiftung Deutsche Kinemathek angestrebt. Gerade die Rolle Riefenstahls im Nationalsozialismus werde bei der Aufarbeitung des Nachlasses von zentraler Bedeutung sein. Darin inszenierte sie Sportler als heroische Übermenschen und spielte so der Propaganda der Nationalsozialisten in die Hände. Einmal empfing sie Adolf Hitler in ihrer Wohnung.

Die 1902 geborene Leni Riefenstahl war zeitlebens eine umstrittene Persönlichkeit, da sie in den 1930er Jahren Propagandafilme wie Triumph des Willens für das NS-Regime drehte. Das amerikanische "Time"-Magazin zählte sie als einzige Frau zu den "100 einflussreichsten und beeindruckendsten Künstlern des 20.Jahrhunderts", Hollywood-Regisseur George Lucas nannte sie einmal "die modernste Filmemacherin überhaupt".

Szene aus dem Olympia Film mit einem Turner

Leni Riefenstahl im Mai 1945 im Garten ihres Hauses in Kitzbühel.

Nach Angaben der Stiftung verfügte Riefenstahls Sekretärin und Alleinerbin Gisela Jahn die Schenkung. Jahn hatte das Material selbst erst 2016 erhalten - nach dem Tod von Leni Riefenstahls 40 Jahre jüngerem Mann und Mitarbeiter Horst Kettner. Es sei ihr Wunsch gewesen, das Erbe in Berlin, der Geburtsstadt der Künstlerin, aufbewahrt zu wissen. Den Schriftenbestand mit Korrespondenzen, Tagebüchern und Manuskripten will die Stiftung von der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek betreuen lassen.


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