Ukraine schiebt Georgiens Ex-Präsident Saakaschwili nach Polen ab

Kiew (Reuters) - Der frühere georgische Präsident Micheil Saakaschwili ist in der Ukraine nach Angaben seiner Sprecherin von Unbekannten verschleppt worden. Ein Sprecher der Grenzpolizei teilte am Montag mit, Saakaschwili habe sich illegal in der Ukraine aufgehalten.

Am Montagvormittag hatte schwerbewaffnete Spezialkräfte Saakaschwili aus einem Restaurant neben der Zentrale seiner Partei in der ukrainischen Hauptstadt abgeführt, wie örtliche Medien meldeten.

Saakaschwili wird von der ukrainischen Justiz vorgeworfen, mit Geld aus dem Umfeld des 2014 gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch regierungskritische Proteste organisiert zu haben.

Anhänger des Ex-Präsidenten fanden sich an den beiden Flughäfen von Kiew zusammen, um die Abschiebung zu verhindern - vergeblich.

Die Ukraine hat den ehemaligen georgischen Staatschef nun nach Polen abgeschoben. Daraufhin wurde dem Politiker auch die ukrainische Staatsbürgerschaft entzogen. Er habe mit dem 50-Jährigen telefoniert, schrieb der Vertraute auf Facebook.

Polnische Grenzsoldaten berichteten, dass Saakaschwili in Polen empfangen wurde. Es dürfte das Ende einer politischen Beziehung sein: Nachdem Saakaschwili 2015 in die Ukraine umgesiedelt war, hatte ihn Poroschenko zunächst zum Gouverneur der Schwarzmeerregion Odessa ernannt. Saakaschwili war im September aus Polen über die Grenze gekommen. Seine georgische Staatsangehörigkeit war Saakaschwili 2015 aberkannt worden, als er den ukrainischen Pass angenommen hatte. Dort wurde er vor kurzem in Abwesenheit zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren wegen Machtmissbrauchs verurteilt.

Der 50-Jährige machte Poroschenko für seine Ausweisung verantwortlich "Poroschenko ist kein Präsident, er ist nur ein kleiner, hinterhältiger Krämer", sagte er. Mehrfach hat er zu Protesten gegen die Führung in Kiew aufgerufen.

Saakaschwili ist ein scharfer Kritiker Poroschenkos, den er vom Studium kennt. "Sogar wenn man uns ins Gefängnis steckt, werden die Leute kämpfen".

Mit Spannung wird daher die seit langer Zeit für den 18. Februar geplante Pro-Saakaschwili-Demonstration im Zentrum Kiews erwartet, die durch die jüngsten Ereignisse nun an Bedeutung gewinnt. "Wir werden nicht aufgeben", sagte sein Mitstreiter David Sakwarelidze. Ein kurzzeitig verhängter nächtlicher Hausarrest ist inzwischen abgelaufen.


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