Mützenich begrüßt Yücels Freilassung als "überfälligen Schritt"

Bewegung im Fall des in der Türkei inhaftierten "Welt"-Journalisten Deniz Yücel?". Yücels Ehefrau Dilek Mayatürk Yücel schrieb auf Twitter: "Endlich!" "Natürlich freue ich mich", sagte Yücel über seine Freilassung. Nach Informationen der Welt, für die Yücel als Korrespondent gearbeitet hat, ist gegen den Journalisten kein Ausreiseverbot für die weitere Dauer des Verfahrens verhängt worden.

Der freigelassene Journalist Deniz Yücel aus Flörsheim hat übereinstimmenden Medienberichten zufolge die Türkei an Bord einer Regierungsmaschine verlassen. Sie erinnerte aber auch mit deutlichen Worten an Belastungen für das deutsch-türkische Verhältnis.

Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtet am Freitag, ein türkisches Gericht habe Yücel freigelassen, nachdem die Istanbuler Staatsanwaltschaft schließlich eine Anklageschrift vorgelegt und 18 Jahre Haft gefordert hatte. Dass die Freilassung Yücels, der eine politische Geisel war, zwei Tage nach dem Besuch des türkischen Premierministers bei Bundeskanzlerin Angela Merkel angeordnet wurde, wird wohl kaum ein Zufall sein. Unterdessen bezeichnete der türkischstämmige Schriftsteller Dogan Akhanli, der 2017 auf Betreiben der Türkei in Spanien festgenommen und mehrere Monate dort festgehalten worden war, die angekündigte Freilassung Yücels als Bestätigung für die Willkür der türkischen Regierung.

Ohne rechtliche Grundlage haben die türkischen Behörden einem Menschen ein Jahr seines Lebens gestohlen.

Gabriel betonte, dass es keine Gegenleistung von deutscher Seite für die bevorstehende Freilassung gegeben habe. In ihren Dank schloss sie auch "ganz besonders die Bemühungen des Außenministeriums mit ein und des Außenministers" Sigmar Gabriel (SPD). Bundespräsident Steinmeier äußerte die Hoffnung, dass die Freilassung "Bedingungen schafft, die zu einer Verbesserung der deutsch-türkischen Beziehungen führen". Im Fall Yücel hat Yildirim nun aber ausdrücklich gesagt, dass er sich dessen Freilassung erhofft. Daraufhin hatten Erdogan und andere Mitglieder der türkischen Regierung die Bundesregierung in die Nähe des Nazi-Regimes gerückt. Ihre Namen werden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht mitgeteilt.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim sagte, die Beziehungen zu Deutschland seien auf dem Wege der Besserung. "Ich hoffe, dass seine Verhandlung bald beginnt und es zu einem Ergebnis kommt", sagte Yildirim am Donnerstag in Berlin. Auch Merkel will die Beziehungen wieder verbessern, denn man habe "gemeinsame Interessen in komplizierten Zeiten". Die Verfolgung politischer Gegner unter dem Vorwand, sie unterstützten den "Terrorismus", setzt sich in der Türkei fort. Die Bundesregierung hat sich derweil immer wieder sehr zurückhaltend gezeigt, wenn es darum ging, die massiven Menschenrechtsverletzungen in der Türkei oder auch den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Afrin zu kritisieren. Im Dezember war die deutsche Journalistin Mesale Tolu aus der U-Haft entlassen worden.


Beliebt

VERBINDEN