Trumps wichtigster Wirtschaftsberater Cohn schmeißt hin

Washington - Inmitten der Debatte über US-Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte verlässt Donald Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn das Weiße Haus. Es sei ihm eine Ehre gewesen, als Leiter des Wirtschaftsberatergremiums in der Regierungszentrale "meinem Land zu dienen", heißt es in einer kurzen Mitteilung Cohns.

US-Präsident Trump nimmt mit seiner Drohung, Strafzölle zu erheben, vor allem die Europäische Union ins Visier. Er hatte Trumps nationalistischer Wirtschaftspolitik unter dem Motto "America First" das Attribut "but not alone" ("aber nicht alleine") beigefügt und damit zumindest ein gewisses Maß an internationaler Zusammenarbeit eingefordert. Er kündigte noch am Abend auf Twitter an, bald eine Entscheidung über die Nachfolge zu treffen. "Viele Leute wollen den Job - ich werde eine weise Entscheidung treffen!" Many people wanting the job - will choose wisely!

Cohn (57) war maßgeblich an der jüngst verabschiedeten Steuerreform beteiligt, soll mit Trump aber in fast allen anderen Feldern überkreuz gelegen haben.

Cohns Rücktritt reiht sich in eine lange Liste von Abgängen ein.

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Cohn hatte sich zuletzt bei den Strafzöllen gegen den Präsidenten gestellt. Er war zuvor in einem internen Ringen um den Kurs in der Handelspolitik unterlegen: Cohn hatte sich gegen die Strafzölle auf Aluminium und Stahl gestemmt, die Trump in der vergangenen Woche angekündigt hatte. Bis zuletzt soll er noch versucht haben, die Position der USA gegenüber Zöllen für Einfuhren von Stahl und Aluminium aufzuweichen. Er kann als Indiz dafür gewertet werden, dass Trump sich nicht umstimmen lassen und bei seiner harten Linie auch gegen Europa bleiben will. Er drohte mit einem Zoll in Höhe von 25 Prozent auf Autos. Er habe die Hoffnung, dass Trumps Pläne noch abgeschwächt werden könnten.

Dass nun einer der letzten Befürworter von Freihandel und Globalisierung aus Trumps direktem Beraterstab geht, könnte auch Auswirkungen auf die laufenden Verhandlungen über das Freihandelsabkommen Nafta mit den Nachbarn Mexiko und Kanada haben. Cohns Abgang ist für das Lager der sogenannten Globalisten im Weißen Haus, zu denen auch das Paar Ivanka Trump und Jared Kushner gerechnet wird, eine schwere Niederlage.

Schon in der Vergangenheit war Cohn nicht immer einer Meinung mit Trump. Zwei Stunden vor Cohns Rückzug hatte Trump verkündet: "Glauben Sie mir, jeder möchte im Weißen Haus arbeiten".

Die EU werde wegen ihres Umgangs mit den USA im Handel mit hohen Abgaben belegt, sagte Trump in Washington. Politiker und Wirtschaftsführer in aller Welt äußerten ihre Besorgnis über eine solche Auseinandersetzung, Kritik kommt auch aus Trumps eigener Partei. Dass im Weißen Haus Chaos herrsche, dementierte Trump via Twitter.


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