Brechreiz und Durchfall: Mertesacker beklagt Druck

Per Mertesacker hat im "Spiegel" den enormen Druck auf Fußball-Profis kritisiert. Das Sommermärchen war für ihn eine besonders große Qual. "Beschämend und kleinkariert. Aller größten Respekt, Per Mertesacker". Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Aus Scham und auch aus Angst vor beruflichen Konsequenzen verschwieg der Abwehrspieler des FC Arsenal seine Probleme.

Matthäus: "Wie will er noch im Profifußball tätig sein?"

Die Aussagen der Sky-Experten führten zu heftigen Reaktionen. Sein Körper habe auf den immensen Druck mit Durchfall und Brechreiz reagiert - vor jedem Spiel. Der Sport war für ihn bis kurz vor dem Beginn seiner erfolgreichen Karriere nicht mehr als ein Hobby. "Ich muss dann einmal so heftig würgen, bis mir die Augen tränen". Schnell habe er realisiert, "dass du abliefern musst, ohne Wenn und Aber. Selbst wenn du verletzt bist". In diesem Job müsse man bereit sein, seine "Gesundheit zu opfern". "Denn es war der einzige Weg, eine legitimierte Auszeit zu bekommen, mal raus aus der Mühle". Mertesacker glaubt, dass viele seiner Verletzungen "psychisch bedingt" waren. Doch Mertesacker sitze "am liebsten auf der Bank, noch lieber auf der Tribüne". Als die deutsche Mannschaft im Halbfinale gegen Italien ausgeschieden sei, sei er enttäuscht gewesen, aber vor allem erleichtert. "Endlich ist es vorbei".

Er ist Weltmeister, spielte lange in der Champions League: Per Mertesacker spricht über die Schattenseiten des Profifußballs. "Dieses ständige Horrorszenario, einen Fehler zu machen, aus dem dann ein Tor entsteht". Dieser Druck sei "unmenschlich" gewesen. Aus dem Fußball-Geschäft war jedoch auch Unverständnis zu hören.Von Christoph Metzelder etwa.

Premier LeagueLiveBournemouth-Tottenham
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Und dass er sich nach fast 15 Karrierejahren müde und ausgelaugt fühle und einfach "keinen Bock mehr" habe. Wie will er einem jungen Spieler diese Professionalität vermitteln, wenn er sagt, dass da zu viel Druck ist.

Über das Thema Druck im Profifußball wird immer nur in kurzen Aufmerksamkeitsschüben diskutiert, so etwa nach dem Suizid des früheren Nationaltorwarts und Mertesacker-Freundes Robert Enke 2009. Mertesacker wird im Sommer eine leitende Position in der Nachwuchsakademie von Arsenal übernehmen.

Mertesacker betont, dass ihm "die Privilegien meines Lebens bewusst" seien, und dass er seinen Lebensweg trotz seiner Probleme nicht bereue. Er wolle in seinem neuen Job "das System angreifen" und den Jugendlichen auch auf dem zweiten Bildungsweg helfen.


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