Robert-Koch-Institut: Kinder sind laut Gesundheitsstudie zu dick

Obwohl der tägliche Konsum zuckerhaltiger Getränke im Zehn-Jahres-Vergleich von 28 auf 16 Prozent bei den Mädchen und von 34 auf 22 Prozent bei den Jungen zurückging, warnen Verbraucherschützer weiterhin vor den gesundheitlichen Folgen.

Und bei noch einem Punkt dringen die Wissenschaftler auf Veränderung: Bewegung kommt im Alltag von Kindern und Jugendlichen laut Studie entschieden zu kurz.

Mehr als jedes siebte Kind in Deutschland hat Übergewicht. Das geht aus der jüngsten Untersuchung des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) hervor, die in Berlin präsentiert wird.

Für die aktuelle KiGGS-Studie wurden bundesweit mehr als 25.000 Kinder, Jugendliche und Eltern befragt: Insgesamt schätzen Eltern und Kinder die Gesundheit der jüngsten Generation jedoch positiv ein - 96 Prozent bewerten sie als sehr gut oder gut. 5,9 Prozent sind sogar fettleibig. Für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist es ein positives Zeichen, dass eine weitere Zunahme Übergewichtiger - wenn auch auf hohem Niveau - gestoppt werden konnte. "Die KiGGS-Daten sind wichtige Grundlage für evidenzbasierte Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung", sagt Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts.

Die Forscher haben für die Studie erstmals eine Langzeituntersuchung der Kindergesundheit in Deutschland durchgeführt. Innerhalb von zehn Jahren hat sich dieser Wert immerhin von rund 20 Prozent auf 10,9 Prozent fast halbiert. Damit ist KiGGS die größte Jugendgesundheitsstudie in Deutschland.

KiGGS Welle 2: Die Ergebnisse stammen aus den Jahren 2014 bis 2017. 3,3 Prozent der Mädchen beziehungsweise 4,7 Prozent der Jungen sogar häufiger. Im Vergleich zur letzten Studie geht es den Kindern damit besser - 2014 lag der Anteil der Kinder, deren Eltern sie für gesund oder sehr gesund hielten, noch bei rund 94 Prozent. "Vor allem die Frage, wann entscheidende Weichen für die körperliche und seelische Gesundheit gestellt werden, können wir mit den neuen Längsschnittdaten besser untersuchen", unterstreicht Wieler. "Dort werden sie entsprechend ernährt und dazu aufgefordert mit Gleichaltrigen zu spielen und sich ausreichend zu bewegen".

Die größten Bewegungsmuffel sind Teenager zwischen 14 und 17 Jahren aus ärmeren Verhältnissen, vor allem Mädchen. Jungen Frauen fällt es allerdings leichter, wieder aufzuhören (19 Prozent) als jungen Männern (9 Prozent). Kiggs ist die einzige umfassende Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ebenfalls positiv: Rauchten im Jahr 2012 noch rund 21 Prozent der Kinder und Jugendlichen, so sind es aktuell nur noch rund sieben Prozent. So zeigen die KiGGS-Daten zum Beispiel, dass mehr als die Hälfte der zwei- bis sechsjährigen Kinder mit Übergewicht oder Adipositas auch als Jugendliche übergewichtig beziehungsweise adipös sind und daher eine frühe Vorbeugung notwendig ist.

Laut der Untersuchung sind Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen vor allem auf Armut zurückzuführen. Spannend macht sie vor allem die Langzeit-Beobachtung.


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