Neue Leitlinie: Freie Fahrt trotz Diabetes

Das ist die zentrale Aussage der jetzt veröffentlichten S2-e-Leitlinie "Diabetes und Straßenverkehr".

Gut jeder zehnte Führerscheininhaber in Deutschland ist schätzungsweise von Unterzuckerung betroffen.

Bislang gab es keine anerkannten medizinisch-wissenschaftlichen Grundsätze zur Bewertung der Fahreignung bei Diabetes.

"Die Unfallhäufigkeit bei Menschen mit Diabetes ist nur unwesentlich erhöht", berichtet Prof. So wurde häufig die Meinung vertreten, insulinpflichtige Patienten könnten nicht mehr als Busfahrer oder Lkw-Fahrer arbeiten oder ein hoher Langzeitblutzuckerwert stelle einen Grund zur Verweigerung des Führerscheins dar. Im Klartext: Bei einem Unfall konnte ein Arzt, der dem zuckerkranken Verursacher Fahrtauglichkeit bescheinigt hatte, für seine Entscheidung rechtlich belangt werden. Doch Wissenschaftler geben Autofahrern, die an Diabetes erkrankt sind, grünes Licht. Reinhard Holl, Epidemiologe der Universität Ulm und Mitautor der Leitlinie.

Damit schafft die Leitlinie, die 188 Seiten umfasst, zusätzliche Rechtssicherheit für Ärzte wie Patienten. Sie informiere Behandler über die fachlich gebotene Vorgehensweise, einschließlich der Patientenaufklärung. "Ein Arzt, der sich an diese wissenschaftlich abgesicherten Empfehlungen hält, muss grundsätzlich keine Haftung befürchten", betont Ebert. Dies trifft nicht zu, wie die Leitlinie belegt.

Patienten wiederum können gegen anderslautende Gutachten vorgehen und einen drohenden Verlust der Fahrerlaubnis abwenden.

Wichtige Gründe, die Fahreignung zu verlieren, sind unterdessen eine unbehandelte Schlaf-Apnoe oder wiederholte schwere Unterzuckerungen. "Bei zwei schweren Unterzuckerungen im Wachzustand innerhalb eines Jahres darf man zunächst nicht mehr Auto fahren", berichtet DDG-Experte Professor Dr.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Teilnahme von Diabetikern am Straßenverkehr ein Risiko darstellen, allerdings ist dies extrem selten der Fall.

Bei schweren Stoffwechselentgleisungen, in der Einstellungsphase auf Insulin und bei anderen Therapieumstellungen oder Dosisänderungen liegt eine vorübergehende Fahruntauglichkeit vor. "Ihnen sind klare Kriterien an die Hand gegeben", so Gallwitz. Die Fahruntauglichkeit gelte, bis der Blutzuckerstoffwechsel wieder stabil ist. Gallwitz. "Die neue Leitlinie dürfte dazu beitragen, die Sicherheit im Straßenverkehr insgesamt zu verbessern", so das Fazit des DDG-Mediensprechers. Die neue Leitlinie zeige Wege auf, die Gefahr von Unterzuckerung zu verringern und so die Fahrtauglichkeit wiederzuerlangen. Dazu gehören neben der Medikations-Umstellung auch Wahrnehmungsschulungen oder eine kontinuierliche Glukosemessung mit akustischer Warnfunktion.

"Jeder Insulinpatient sollte vor Fahrtantritt den Blutzucker messen und schnellwirkende Kohlenhydrate etwa in Form von Traubenzucker im Auto griffbereit haben", sagt Holl.


Beliebt

VERBINDEN