Zahl der Behandlungsfehler leicht zurückgegangen

Schätzungen zufolge endeten rund 0,1 Prozent der Behandlungen in einem Krankenhaus vermeidbar tödlich.

Beim Verdacht auf einen Behandlungsfehler sollten betroffene Patienten den Arzt zunächst darauf ansprechen.

Laut der veröffentlichten Fehlerstatistik der Ärzteschaft waren die häufigsten Fehlervorwürfe bei Diagnosen von Knie- und Hüftgelenksarthrosen sowie Brüchen des Unterschenkels oder des Sprunggelenks.

Mit drei Vierteln aller Beschwerden betrafen laut Bundesärztekammer (BÄK) die meisten Vorwürfe den stationären Bereich. Hinzu kommen rund eine Milliarde Arztkontakte jährlich in den Praxen. Dass Ärzte diesem Versprechen gerecht werden, belegen die vielfältigen von der Ärzteschaft entwickelten Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Fehlerprophylaxe.

"Gemessen an der enormen Gesamtzahl der Behandlungsfälle liegt die Zahl der festgestellten Fehler Gott sei Dank im Promillebereich", sagt Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Bundesärztekammer.

Von den festgestellten Behandlungsfehlern führten 1783 zu Gesundheitsschäden, in 430 Fällen war dies nicht der Fall. Es gebe daher keinen Grund für "Panikmache und Pfuschvorwürfe". Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Zahlen verbessert: Im Jahr 2016 wurden noch 2245 Behandlungsfehler registriert, 1845 mit Gesundheitsschaden. Im Jahr 2016 erstellten sie rund 15000 Gutachten, in knapp jedem vierten Fall wurden Fehler bestätigt.

Wie viele Patienten sich direkt an Gerichte, Anwälte oder Versicherungen wenden, ist unbekannt. "Hier nehmen Patienten Beeinträchtigungen eher wahr", sagte Kerstin Kols, Geschäftsführerin der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern, bei der Vorstellung des Berichts. Dazu brauchen sie ein geeignetes Umfeld, das diesen Lernprozess fördert.

In einem anderen Fall kam ein 39-Jähriger mit einer Stichverletzung nach einem Streit ins Krankenhaus. Folge: Der Mann musste 18 Folge-Operationen über sich ergehen lassen und zwei Monate in der Klinik bleiben, davon zwei Drittel auf der Intensivstation mit einem Luftröhrenschnitt zur Dauerbeatmung. Er ist dazu verpflichtet, Patienten darzulegen, warum er bestimmte Entscheidungen getroffen hat, erläutert die Stiftung Warentest im Ratgeber "Ihr Recht bei Ärztepfusch". Dafür beurteilen Experten, inwiefern eine Behandlung zum jeweiligen Zeitpunkt dem anerkannten medizinischen Standard entsprochen hat.

Falsche oder unzureichende Behandlungen in Arztpraxen oder Krankenhäusern sind keine Seltenheit.

Auch Uwe Brocks, Fachanwalt für Medizinrecht, hat gute Erfahrungen mit den Stellen gemacht. Einen Fachmann finden Patienten über die örtlichen Anwaltskammern.


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