FBI-Razzia bei Trumps Anwalt Cohen

In der Lesart Trumps und seiner konservativen Hausmedien ist die Durchsuchung beim Anwalt ein Anflug von Polizeistaat.

Seine fast zehnminütige Schimpftirade löste neue Spekulationen darüber aus, er könne Sonderermittler Robert Mueller feuern.

Denn Rosenstein hat offenbar dem FBI erlaubt, Wohnung, Büro und sogar das Hotelzimmer von Michael Cohen zu durchsuchen und verdächtige Dokumente mitzunehmen.

Der US-Präsident reagiert empört auf eine Razzia bei seinem Anwalt Michael Cohen. Cohens Verehrung für Trump ist aber nicht ganz neu: Bereits in seiner Highschoolzeit sei er fasziniert gewesen von Trumps Buch The Art of the Deal, das er gleich zweimal hintereinander gelesen habe. Bei der Zahlung könnte es sich um eine unzulässige Wahlkampfspende gehandelt haben.

Doch Cohen könnte nicht nur auf brisanten Dokumenten im Fall Daniels sitzen. Er wird oft als Trumps Ausputzer beschrieben und gilt als äußerst loyal. In einer Woche erscheint das Enthüllungsbuch "Grösser als das Amt" des ehemaligen FBI-Chefs James Comey, den Trump vor einem knappen Jahr gefeuert hat und der seine Sicht der Dinge auch in dutzenden Auftritten in aller Welt schildern wird.

Seiner blanken Wut lässt der US-Präsident zu Beginn einer Sitzung mit seinen Sicherheits- und Militärberatern zum Syrien-Konflikt freien Lauf. Damit wäre natürlich das Bild des Erfolges zerstört. Und Erfolg ist die einzige Marke, auf die Trump Wert legt. Es sollen jedoch auch Steuerunterlagen und andere Dokumente beschlagnahmt worden sein. Warum er die Zahlung leistete, hat der Anwalt allerdings bislang nicht erklärt. Sensible Konversationen zwischen Mandaten und ihren Rechtsbeiständen seien für die Ermittler im Rechtsstaat tabu.

Der Tipp zur Durchsuchung der Räumlichkeiten von Cohen kam laut Medienberichten von Sonderermittler Robert Mueller. Bei dessen Ermittlungen über eine mögliche Einmischung Russlands in die Präsidentschaftswahlen 2016 gab es demnach Hinweise auf Weiteres. Rosenstein habe diese dann an die Generalstaatsanwalt in New York geleitet, was schließlich zur Razzia bei Cohen geführt habe.

Cohen war es auch, der 2011 die Website "Sollte Trump als Präsident kandidieren?" anmeldete. Cohen hatte nach eigener Aussage 130.000 Dollar (105.656,70 Euro) an die Pornodarstellerin Stormy Daniels bezahlt. Ein sichtlich aufgebrachter Trump sprach jedoch am Montag vor laufenden Kameras davon, dass das FBI bei Cohen "eingebrochen" sei. Das sei eine Schande und eine "Hexenjagd". Er warf den Ermittlern vor, einseitig vorzugehen und voller Interessenskonflikte zu stecken. Trump sprach von einer "Hexenjagd" und einer "Schande" und bezeichnete die Ermittlungen als "Angriff auf unser Land". Die Ermittlungen seien "lächerlich".

Trump faucht nun gegen Rosenstein und Mueller.

Wie in jedem Rechtsstaat genießen Anwälte auch in den USA besonderen Schutz, ebenso wie die Kommunikation zwischen ihnen und ihren Klienten.


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