Kein Attentat bei Berliner Halbmarathon geplant

Die Berliner Polizei hatte am Sonntag sechs Verdächtige im Alter von 18 bis 21 Jahren festgenommen und mehrere Wohnungen durchsucht.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller dankte den Sicherheitskräften - auch mit Blick auf die Amokfahrt von Münster -, "dass sie durch ihre Umsicht und Polizeiarbeit eine weitere Attacke auf die friedlichen, den Halbmarathon genießenden Zuschauer verhindern konnten". Im Vorfeld des Halbmarathons habe es "vereinzelte Hinweise" darauf gegeben, dass die Festgenommenen "an der Vorbereitung eines Verbrechens im Zusammenhang mit dieser Veranstaltung beteiligt gewesen sein könnten", heißt es in einer Polizeierklärung.

Die Sicherheitsbehörden prüfen derzeit Hinweise auf Anhaltspunkte darauf, dass es sich möglicherweise um einen versuchtenTerroranschlag handelt. Weiter teilte die Polizei mit, dass der Staatsschutz am Sonntag gemeinsam mit der Generalstaatsanwaltschaft Berlin Durchsuchungen im Stadtgebiet durchgeführt habe. Zwei Männer werden den Angaben zufolge dem islamistischen Umfeld des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri zugerechnet.

Meldungen, wonach diese geplant hätten, mit zwei extra scharf geschliffenen Messern Zuschauer und Teilnehmer des Laufs anzugreifen und zu töten, sind allerdings falsch.

Nach Angaben aus Polizeikreisen sollen die Festgenommenen einen Bezug zu dem Attentäter vom Breitscheidplatz gehabt haben. Es habe den Anfangsverdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat gegeben. "Wir gehen auf Nummer sicher", sagte ein Sprecher des Innensenators gestern. Ein konkreter Terroranschlag auf den Halbmarathon war aber wohl nicht geplant. "Das war eine Vorsichtsmaßnahme", sagt ein hochrangiger Sicherheitsbeamter.

Sprengstoff oder andere verdächtige Gegenstände, die den Tatverdacht untermauern würden, wurden nach Polizeiangaben nicht entdeckt. "Das heißt: Mit einem Anschlag muss jederzeit gerechnet werden".

Laut dem Sprecher des Innensenators gab es Hinweise, die zu einem Anfangsverdacht geführt hätten.

Eine der jetzt durchsuchten Wohnungen im Westen der Stadt war der "Welt" zufolge auch nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt Ende 2016 durchsucht worden. Als Drahtzieher des Anschlags gilt die Terrormiliz "Islamischer Staat". Nach Informationen der Zeitung "Tagesspiegel" war der Hauptverdächtige bereits zwei Wochen observiert worden. Er sei den Behörden aus den Nachermittlungen zum Amri-Anschlag in Berlin bekannt gewesen.

Die Polizei will weiter beschlagnahmte Handys und Computer auswerten. Deshalb hätten die Sicherheitskräfte am Sonntag eingegriffen. Im Keller der Wohnung eines mutmaßlichen Komplizen des am Sonntag überwältigten Hauptverdächtigen schlugen demnach speziell auf Sprengstoff trainierte Hunde an. Auch vor dem Hintergrund dieses Vorfalls, bei dem ein Mann mit einem Auto in eine Menschenmenge gerast war, habe sich die Polizei heute zum Zugriff entschieden, wie die Behörde mitteilte.


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