UN sprechen von "Horror" in libyschen Gefängnissen

Männer, Frauen und Kinder würden dort eingesperrt, gefoltert und missbraucht. Auch Gruppen, die mit dem Staat verbunden sind, seien daran beteiligt, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht des UNO-Menschenrechtskommissars Zeid Ra'ad al-Hussein.

Jedoch geht es in dem UN-Bericht nicht um die schon oft angeprangerten Misshandlungen von Flüchtlingen in Libyen, die nach Europa kommen wollen. Mehrere Regierungen in Tripolis hätten den Gruppen erlaubt, Gegner, Aktivisten, Journalisten und Politiker einzukerkern und die Milizionäre auch bezahlt oder mit Waffen und Uniformen versorgt.

Nach dem mit Hilfe westlicher Staaten erfolgten Sturz desLangzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi ist Libyen ins Chaos gestürzt.Zahlreiche bewaffnete Gruppen kämpfen um die Macht, drei rivalisierendeRegierungen erheben Anspruch auf die Führung des Landes. In diesen Gebieten haben bewaffnete Milizen das Sagen, die ihre eigenen Gefängnisse betreiben.

Das UN-Büro für Menschenrechte wirft Libyen in seinem jüngsten Bericht vor, Tausende Menschen willkürlich und illegal in Gefängnissen zu halten und sie der Folter und anderen Menschenrechtsverbrechen auszusetzen. Allerdings gibt es keine Statistiken für Haftanstalten der Ministerien für Inneres und Verteidigung oder für die der bewaffneten Milizen. Menschen würden in Isolationshaft gehalten, mit Metallstangen geschlagen, mit Zigaretten verbrannt oder Elektroschocks gequält.

"Die Inhaftierten sind Folter, unrechtmäßigen Tötungen, Verweigerungadäquater medizinischer Versorgung und schlechter Unterbringungausgesetzt", heißt es in dem Bericht. Hunderte Leichen würden auf Straßen, in Krankenhäusern und auf Müllhalden gefunden, oft mit Folterspuren oder Schusswunden.

Etwa 6.500 Menschen seien nach Schätzungen im Oktober vergangenen Jahresallein in offiziellen Gefängnissen unter Aufsicht des Justizministeriumsfestgehalten worden, heißt es in dem Bericht. Al-Hussein sprach von "reinem Horror" und völliger Willkür und verlangte diese Verhältnisse sofort zu beenden und die Verantwortlichen endlich zur Rechenschaft zu ziehen.

Erst kürzlich war der Bürgermeister der libyschen Hauptstadt Tripolis festgenommen worden. Der Bürgermeister kam wenig später wieder frei, die Staatsanwaltschaft versicherte, er sei wegen einer Korruptionsaffäre von der Polizei verhört worden.


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