Westen setzt in Sachen Syrien auf Diplomatie und Drohungen

Eine der bombardierten wissenschaftlichen Einrichtungen in Syrien.

In Damaskus kreisten kurz nach dem letzten Raketeneinschlag lärmende Autokorsos mit syrischen Fahnen durch die Straßen. Die amerikanischen Streitkräfte würden "Präzisionsschläge" gegen Ziele vornehmen, die mit den Chemiewaffen von Machthaber Baschar al Assad in Zusammenhang stünden.

Washington/Tunis/Moskau US-Präsident Donald Trump lobt die Luftschläge gegen das Assad-Regime in Syrien. "Wir haben das Herz des syrischen C-Waffen-Programms getroffen". Die Raketen kamen von Kriegsschiffen im Mittelmeer und von Kampfjets, die in Zypern und Jordanien starteten. Noch am Sonntag wollte Deutschland in London mit Großbritannien, Frankreich und den USA über das weitere Vorgehen beraten, sagte Maas. Damals hatten die USA als Reaktion auf einen mutmaßlichen Giftgasangriff durch die syrische Reigierung Teile der Luftwaffenbasis Shayrat in Zentralsyrien zerstört. Einige Experten wie Tobias Schneider von der Berliner Denkfabrik GPPI weisen daraufhin, dass die für den Giftgaseinsatz von Duma direkt verantwortlichen Einheiten der Syrer bei den westlichen Raketenangriffen nicht ins Visier genommen wurden. Russland, Verbündeter und Schutzmacht der syrischen Führung von Präsident Baschar al-Assad, drohte umgehend mit Konsequenzen. Der französische Präsident Emmanuel Macron sagte: "Die rote Linie ist überschritten". Alles sei im erwartbaren Rahmen geblieben, lautet in Moskau das inoffizielle Echo auf den Angriff. In den vergangenen Wochen hatten die syrischen Streitkräfte eine beispiellose Kampagne von Luftangriffen auf Ost-Ghuta geführt. Nun wird ein Großangriff von Syrern, Russen und Iranern im nordwestsyrischen Idlib erwartet, einem Rückzugsraum der Rebellen. Naturgemäß war es auch genau das, was die syrische Opposition im Anschluss lamentierte. Gefordert wird ein unverzüglicher Stopp von Militäraktionen. Dies ist jedoch nicht zu erwarten.

Der Schlag gegen Syrien sei härter gewesen als der im Vorjahr, sagte Mattis. "Das ist keine Syrien-Strategie, sondern ein Psychodrama". Wann über den Entwurf abgestimmt werden soll, blieb hingegen offen. Der auf den Nahen Osten spezialisierte Wirtschaftsanalyst Timothy Ash nannte den Angriff ein reines "Feuerwerk" ohne größere Folgen. In Trumps Twitter-Präsidentschaft verwandelt Amerika sich allmählich aus einer globalen Ordnungsmacht, die, wenn auch nicht immer, für Stabilität in der Welt stand, in einen Risikofaktor.

Nach russischen Angaben wurde ein Großteil der Geschosse abgefangen.

Der Angriff sei zeitgleich mit der Ankunft der Ermittlungskommission der Organisation für das Verbot mit Chemiewaffen (OPCW) in Syrien erfolgt. Die Geschichte ist voller Beispiele, wie Staatsmänner ihre Ziele verfolgten und erreichten, indem sie jene, die ihnen dabei im Wege standen, im Unklaren über ihre wahren Absichten, Maßnahmen und Mittel ließen oder sie sogar mit List und Tücke darüber täuschten.

Russland wolle die Kommunikationskanäle zwischen Moskau und Washington offenhalten, berichtet auch die Nachrichtenagentur Tass.

Die Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Der Iran verurteilte die westlichen Raketenangriffe als "Verbrechen".

Wie wurde der befürchtete Konflikt zwischen den USA und Russland vermieden? Welche Orte die USA und ihre Verbündeten angreifen würden, sei nicht weitergegeben worden. Diese Unterstützung aus Syrien und dem Iran gibt der Hisbollah die Möglichkeit, die israelische Besetzung und Annexion des Südlibanons, dessen Wasserressourcen Israel begehrt, zu verhindern.

Wie geht es nun weiter?

Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) kann sich eine Vermittlerrolle Österreichs im Syrien-Krieg vorstellen.

Das syrische Präsidialamt verbreitete am Samstag ein kurzes Video, auf dem Assad demonstrativ mit Aktentasche in der Hand durch die prächtigen Marmorhallen seines Palastes schlendert.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) soll in Syrien dauerhaft besiegt werden. Syrien wurde neben der geplanten Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem und der expansiven Rolle des Iran in der Region zum wichtigsten Thema im und neben dem Verhandlungssaal.


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