Abholzung in polnischem Urwald ist gegen EU-Recht

Der Europäische Gerichtshof entscheidet heute im Streit über die Abholzung zehntausender Bäume im polnischen Naturschutzgebiet Bialowieza. Die Ausbreitung des Borkenkäfers rechtfertige nicht den Bewirtschaftungsplan und die Abholzung in dem Urwald, heißt es in dem am Dienstag in Luxemburg verkündeten Urteil. Das gilt erst recht für den letzten großen Urwald Europas. Zudem sind auf polnischer Seite rund 64.000 Hektar auch als Natura-2000-Gebiet nach EU-Recht besonders geschützt. Allein im vergangenen Jahr wurden nach offiziellen Angaben 150.000 Bäume gefällt. Sie begründete dies mit der Ausbreitung des Borkenkäfers. Der EuGH kam deshalb zu dem Schluss, dass die grossflächigen Abholzungen "zwangsläufig zur Beschädigung oder Vernichtung der Fortpflanzungs- oder Ruhestätten" streng geschützter Käfer führen. Ein Sprecher des polnischen Umweltministeriums erklärte, das Urteil des höchsten EU-Gerichts werde respektiert.

Er gehört sowohl zu Polen als auch zu Weißrussland: der 1500 Quadratkilometer große Flachlandmischwald Bialowieza, der die Bezeichnung Urwald verdient. In Ihm leben viele seltene Tierarten. Charakteristisch sind zahllose alte Bäume, die zum Teil über hundert Jahre alt sind. Er erstreckt sich beidseits der polnisch-weißrussischen Grenze.

Die polnische Regierung hat mit der umfangreichen Abholzung in einem polnischen Urwald gegen Umweltgesetze verstoßen. Das Schutzgebiet sei von den Rodungen ausgenommen. "Für einige dieser Arten ist der Białowieża-Wald das wichtigste oder das letzte verbleibende Gebiet in Polen". Seit 2013 wurden drei Prozent der gesamten Baummenge durch das Insekt befallen. Die Regierung habe aber keine spezifischen Schutzmaßnahmen für Vögel ergriffen. Umweltschützer protestierten dagegen und vermuteten wirtschaftliche Interessen.

Sie wollen klären, ob die Fällungen den Wald eher schützen oder ihm schaden.


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