Kirche darf Konfession bei Jobs nicht immer fordern

Kirchliche Arbeitgeber dürfen nicht bei jeder Stelle eine Religionszugehörigkeit von Bewerbern fordern. Der Fall landete vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Zwischen beidem sei ein "angemessener Ausgleich" herzustellen.

Das Urteil wird Folgen für Hunderttausende Stellen haben, da die Kirchen und kirchlichen Werke zu den größten Arbeitgebern in Deutschland zählen und sich selbst ein Sonderarbeitsrecht (Dritter Weg) eingeräumt haben.

Generalanwalt Evgeni Tanchev wies darauf hin, dass "nach der Europäischen Menschenrechtskonvention zwar die gerichtliche Überprüfung des Ethos der Kirche begrenzt sei und Kirchen dem Europäischen Menschenrechtsgericht zufolge ihren Arbeitnehmern ein gewisses Maß an Loyalität abverlangen könnten". Die Gerichte hätten aber festzustellen, ob die Voraussetzung einer bestimmten Konfession mit Blick auf dieses Ethos im Einzelfall "wesentlich", "rechtmäßig" und "gerechtfertigt" sei. Mehr als eine Million Menschen sind in diesem Bereich beschäftigt.

Das evangelische Kirchenrecht verlangt grundsätzlich von allen Mitarbeitern, dass sie evangelisch sind.

Von einem Pfarrer sollte man also erwarten dürfen, dass er Kirchenmitglied ist.

Das entschied der Europäische Gerichtshof in Luxemburg. Es ging darum, innerhalb von 18 Monaten einen Bericht für das Uno-Antirassismus-Komitee zu verfassen - ein Job, den sie sich durchaus zutraute, denn in ihrer Laufbahn hatte sie sowohl schon mit dem Komitee zu tun als auch mit dem Schwerpunkt Rassismus. In der Stellenausschreibung hatte es geheißen: "Die Mitgliedschaft in einer evangelischen Kirche oder in einer der ACK (Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen, Anm. der Redaktion) angehörigen Kirche und die Identifikation mit dem diakonischen Auftrag setzen wir voraus".

Doch die Diakonie hatte argumentiert, es müsse ihr vorbehalten bleiben, eine Kirchenmitgliedschaft zur Bedingung für die Anstellung zu machen - auch wenn die Diakonie privatrechtlich organisiert ist.

Da sie nicht der Kirche angehörte wurde die Frau - trotz fachlicher und beruflicher Qualifizierung - nicht zu einem Vorstellungsgespräch geladen. Zudem sei Egenberger nicht wegen ihrer Konfession abgelehnt worden, sondern weil sie einen Fachhochschulabschluss hatte und keinen Universitätsabschluss.


Beliebt

VERBINDEN