Mehrere Preisträger geben ihren Echo zurück

Wenn diese Losung tatsächlich zutrifft, dann entblösste diese Gesellschaft am Donnerstagabend - dem Abend des Holocaustgedenktags - ihre hässlichste Fratze, als die beiden Rapper Kollegah und Farid Bang mit dem deutschen Musikpreis Echo ausgezeichnet wurden. Auch das Notos Quartett, das 2017 mit dem Echo Klassik als Nachwuchskünstler des Jahres ausgezeichnet wurde, hat reagiert und seinen Preis zurückgegeben.

Über die Entscheidung der Verantwortlichen, "antisemitisches und menschenverachtendes Gedankengut sowie die Verhöhnung von Opfern des Holocaust mit einem Preis zu würdigen", zeigten sich die Berliner Musiker "zutiefst erschüttert". Die Auszeichnung sei für sie nun "nichts mehr als ein Symbol der Schande".

Während der Echo-Gala hatte sich nur der Frontmann der Toten Hosen, Campino, kritisch zu den "antisemitischen, frauenfeindlichen und homophoben" Texten der Rapper geäußert. Auf der Bonus-EP des Albums heißt es im Song "0815" zudem: "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen". "Als Konsequenz daraus wird der Preis auf Entscheidung des Vorstandes vom heutigen Tag nun überarbeitet werden", erklärte Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie, am Sonntag. Details wurden aber noch nicht genannt.

Für Maffay sei es nun unmöglich zur Tagesordnung überzugehen. "Es muss eine Aufarbeitung geben", schrieb Maffay am Montag auf seiner Facebook-Seite.

Echo 2018

Das reiche nicht aus, kritisierte Maffay. "Die Konsequenz aus den Vorfällen sollte sein: Die Verantwortlichen nehmen ihren Hut und an ihre Stelle treten glaubhafte Personen, die für die Zukunft die nötige Transparenz garantieren", schrieb er.

Die Verleihung sei gerade angesichts der deutschen Vergangenheit eine "Ohrfeige für das demokratische Verständnis in unserem Land", so Maffay. Für den Musiker ist der Echo "zu einem Vermarktungsmodell des Senders VOX verkommen". "Es geht um Geld, um Marktanteile und um Selbstdarstellung". Die Künstler seien nur noch Statisten. Es gebe nur eine sinnvolle Reaktion der Musikindustrie, schrieb Thomas Schreiber in einem Gastbeitrag für Die Welt: "Eine Entschuldigung und die Erkenntnis, dass dieser Echo keine Berechtigung mehr hat: weder inhaltlich noch moralisch".

Die Aufgabe des Beirats sei es nicht gewesen, eine philosophische Antwort auf die Frage nach den Grenzen der Kunstfreiheit zu finden, so die Musikerin in einem offenen Brief.

Es hatte große Kritik an ihrer Nominierung gegeben, am Ende durften die Rapper Farid Bang (links) und Kollegah dennoch mit einem Echo nach Hause gehen. Er sprach sich für die Einrichtung einer Fachjury aus.


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