Animationsabenteuer "Isle of Dogs" von Wes Anderson

Den Silbernen Bären für die Regieleistung gab es obendrauf. Im Bereich von Inszenierung und Bildkomposition ist Wes Anderson wesentlichen Elementen seiner Handschrift treu geblieben, allem voran der symmetrisch gestalteten Zentralperspektive als bestimmendes Mittel, das neben Splitscreen und dem Einsatz grafischer Elemente einen Großteil der visuell überwältigenden Wirkung ausmachen. Nachdem er 1996 mit "Durchgeknallt" sein Debüt gab und in den folgenden Jahren moderne Klassiker wie "The Royal Tenenbaums", "Darjeeling Limited" und "Grand Budapest Hotel" nachlegte, begibt er sich für seinen zweiten Animationsfilm nach "Der fantastische Mister Fox" nun in die Ferne: In "Isle of Dogs - Ataris Reise" folgt er einer Gruppe kranker und von der Gesellschaft ausgestoßener Hunde, die im Japan der Zukunft auf einer einsamen Insel ihrem Schicksal überlassen werden.

"Isle of Dogs" ist nämlich eine handfeste Dystopie. Die Animateure haben hier wirklich keine kreativen Mühen gescheut, um die motorischen und seelischen Eigenheiten dieser Spezies bis ins Kleinste herauszuarbeiten. Als durch einen Regierungserlass alle Hunde der Stadt Megasaki City auf eine riesige Mülldeponie verbannt werden, macht sich Atari allein in einem Miniatur-Junior-Turboprop auf den Weg und fliegt nach Trash Island auf der Suche nach seinem Bodyguard-Hund Spots. Denn der Junge ist der Pflegesohn des Bürgermeisters und auf der Suche nach seinem Leibhund Spots (Liev Schreiber), der ebenfalls nach Trash Island deportiert wurde. Von den verdreckten, fleckigen Fellen der verschiedenen Hunde bis hin zu der retro-futuristischen Fantasiewelt, die Anderson erschafft, scheint jedes kleinste Detail minutiös und perfektionistisch geplant, um den Zuschauer maximale Freude zu bereiten. Auch wenn, wie zu Beginn des Filmes erklärt wird, ihr Bellen eigens in die Menschensprache übersetzt wurde, werden die Hunde hier nicht etwa nutzlos humanisiert, sondern dürfen ganz und gar Tier bleiben.

Doch neben all den skurril-komischen Momenten versteht sich Andersons Film auch als ein aktueller Kommentar auf zeitgenössische gesellschaftliche Phänomene und politische Entwicklungen. Manchmal braucht man bei einem Problem eben eine Sicht von außen. "Isle of Dogs" wird so zu einem smarten Film, dem es für das Tüpfelchen auf dem "I" allerdings ein wenig an Dynamik und Leben mangelt. Und natürlich die Welt kritisiert, also, auf Wes Andersons Art halt. In der amerikanischen Originalfassung haben Schauspieler-Größen wie Bill Murray, Brian Cranston, Edward Norton und Jeff Goldblum die Vierbeiner eingesprochen.


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