Mesut Özil und Ilkay Gündogan treffen Erdogan

Die beiden Mittelfeldstars ließen sich am Sonntag in einem Londoner Luxushotel vom umstrittenen türkischen Staatspräsidenten hofieren. Manchester City. Gündogans Trikot mit der Nummer acht war handsigniert: "Mit großem Respekt für meinen Präsidenten". "Aber der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden". Die Profis hätten sich für ein Wahlkampfmanöver "missbrauchen lassen" und der Integrationsarbeit des DFB damit sicher nicht geholfen.

"Der DFB respektiert und achtet selbstverständlich die besondere Situation unserer Spieler mit Migrationshintergrund". Der türkischstämmige Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir hat den Termin scharf verurteilt. Für Aufregung hatte 2010 ein Foto gesorgt, dass ihn mit nacktem Oberkörper an der Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Umkleidekabine nach dem Länderspiel gegen die Türkei in Berlin zeigte.

"Anstatt Erdogan diese geschmacklose Wahlkampfhilfe zu leisten, wünsche ich mir von den Spielern, dass sie sich aufs Fußballspielen konzentrieren", sagte Özdemir. In einem Interview sagte er einst: "Ich habe sowohl Merkel als auch Erdogan schon treffen dürfen". "Die beiden waren sich der Symbolik und Bedeutung dieses Fotos nicht bewusst, aber natürlich heißen wir die Aktion nicht gut und besprechen das mit den Spielern".

Der Besuch der beiden Nationalspieler ist in mehrerlei Hinsicht brisant. Zum einen politisch, da Erdogan vorgeworfen wird, die Pressefreiheit zu beschneiden, Journalisten und Oppositionelle verhaften zu lassen.

Erdogan befindet sich auf einem dreitägigen Staatsbesuch in Großbritannien.

Ein Twitter-User warf die Frage auf: "Wie kann man einen Autokraten wie Erdogan, der Rechtsstaatlichkeit und Demokratie mit Füßen tritt, im Wahlkampf unterstützen und gleichzeitig in einem Monat für die deutsche Nationalmannschaft bei der WM auflaufen?"

Es gibt aber auch eine starke sportliche Komponente: Am Dienstag wird Bundestrainer Joachim Löw den Weltmeister Özil und auch Gündogan höchstwahrscheinlich ins Aufgebot für die Weltmeisterschaft in Russland (14. Juni bis 15. Juli) berufen.

Unmittelbar davor die Nähe des türkischen Präsidenten zu suchen, erscheint zumindest ungeschickt.

Sportpolitisch pikant ist der Auftritt, da die Türkei einziger Konkurrent des Deutschen Fußball-Bundes um die Ausrichtung der EM 2024 ist, die im September von der UEFA vergeben wird.

Die deutschen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan haben unmittelbar vor ihrer erwarteten WM-Nominierung mit einem fragwürdigen politischen Statement irritiert.


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