Anne-Marie Couderc soll Air France aus der Krise bringen

Air France ist Turbulenzen gewöhnt.

Die Fluggesellschaft Air France-KLM hat nach der Rücktrittsankündigung von Konzernchef Jean-Marc Janaillac eine Interimsspitze benannt. Die Gewerkschaften fordern 5,1 Prozent mehr Gehalt für alle Beschäftigten, Air France bietet ein Plus von sieben Prozent - verteilt auf vier Jahre. Janaillac hatte sieben Prozent gestreckt über vier Jahre angeboten. Die Interimsführung sollte nach der Hauptversammlung des Konzerns am Dienstagnachmittag das Ruder übernehmen. Nachfolgekandidaten sind bisher nicht in Sicht. Seit Jahresbeginn hat die Aktie von Air France-KLM 50 Prozent an Wert verloren. Mit der Abstimmung wollte Janaillac eigentlich die französischen Gewerkschaften unter Druck setzen, die sich nun allerdings gestärkt sehen.

Anders als die Anleger und der Minister beurteilen die Gewerkschaften die Aussichten des Unternehmens indes durchaus positiv. Die Mitarbeiter von Air France lehnten seinen Kompromissvorschlag zur Lösung des Lohnstreits ab. In der Tat hat Air France-KLM 2017 mit 1,5 Milliarden Euro einen Rekordgewinn erzielt. Die Lufthansa oder auch IAG ( British Airways, Iberia) haben 2017 aus überraschend niedrigen Treibstoffpreisen und weltweit steigendem Passagieraufkommen zudem wesentlich mehr gemacht. Doch das gute Konzernergebnis ist vor allem der niederländischen Tochter KLM zu verdanken.

Hinzu kommt, dass die Gewinnaussichten für Europas große Airlines in diesem Jahr deutlich schlechter sind. Die Kerosinpreise steigen. Billiganbieter verschärfen den Wettbewerb auf Kurzstrecken. Und auch wenn Wirtschaftsminister Le Maire versichert, der mit 14,3 Prozent an Air France-KLM beteiligte Staat sehe sich nicht in der Pflicht, finanziell auszuhelfen: Pleitegehen lassen wird er die einst dem Nationalstolz schmeichelnde Fluglinie bestimmt nicht. Auf Langstrecken wird die Konkurrenz aus China und den Golfstaaten stärker.


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