NSU: Anwältin hält Mitangeklagten für unschuldig

Im NSU-Prozess hat die Anwältin des Angeklagten Ralf Wohlleben ihr Plädoyer mit Angriffen gegen staatliche Stellen und die Richter des Münchner Oberlandesgerichts (OLG) begonnen.

Schneiders, die ebenso wie ihr Mandant Wohlleben einst NPD-Mitglied war, argumentierte, die Beweislage reiche für eine Verurteilung nicht aus. Wohlleben sei "unschuldig". Er sei vom Vorwurf der Beihilfe zum Mord in neun Fällen freizusprechen.

Ralf Wohlleben im Gerichtssaal in München. Dafür müssten sie sich dann "vor dem Richterstuhl des Ewigen verantworten". Nur deshalb, weil der NSU-Prozess ein "Politikum" sei, dauere die U-Haft an.

Der Angeklagte Wohlleben soll dabei geholfen haben, dem NSU die Tatwaffe für neun der zehn Morde zu beschaffen. Dafür hat die Bundesanwaltschaft zwölf Jahre Haft für ihn gefordert. Wohlleben hat laut Anklage genau gewusst, wie gefährlich Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt waren, und er habe es auch mindestens für möglich gehalten, dass sie mit der Waffe Menschen töten werden. Mit einem rechtsstaatlichen Verfahren habe all dies nichts zu tun. "Herr Wohlleben, der böse Nazi, soll das Bauernopfer werden, weil man Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nicht mehr einem Strafprozess zuführen kann". "Befangener geht's doch gar nicht". Alle Beweisanträge dazu seien abgelehnt worden. Schneiders beantragte nun, ein früheres Mitglied der rechtsextremen und kriminellen Szene in Jena zu vernehmen.

Schneiders Kollege Klemke hielt dem Gericht vor, das Urteil in wesentlichen Teilen längst geschrieben zu haben - bis aufs Strafmaß vielleicht. "Darunter werden Sie es wohl nicht machen", spottete Klemke Richtung Senat: "Wir sind ja schließlich in Bayern". Oder vielleicht doch 13 Jahre "wegen der damit verbundenen Lobpreisungen der rot-grünen sogenannten Qualitätsmedien?" Möglicherweise seien ja Beate Zschäpe oder Uwe Böhnhardt selbst Informanten des Geheimdiensts gewesen, sagte sie.


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