Türkei ruft in Streit um Jerusalem Botschafter aus USA heim

Grund für die neue Protestwelle ist die international kritisierte Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem.

Am Montag hatte Israels Militär laut dem palästinensischen Gesundheitsministerium fast 60 Palästinenser erschossen, 2.700 Menschen sollen verletzt worden sein.

Auch heute gab es im Gazastreifen und im Westjordanland neue Proteste gegen Israel.

Heftige Proteste und viele Tote an der israelischen Grenze zu Gaza.

Die Aufforderung zur Ausreise des israelischen Botschafters begründete die Regierung in Ankara mit dem Vorgehen der israelischen Armee am Gazagrenzzaun. Mit der Fokussierung auf den Iran hat das Schicksal der Palästinenser vor allem in den Golfstaaten an Aufmerksamkeit eingebüßt. Die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt löste bei den Palästinensern Zorn aus, in Israel sorgte der Schritt für Genugtuung. Gewalttätige Demonstranten hätten explosive Gegenstände und Brandbomben auf Soldaten und den Sicherheitszaun geworfen, teilte die Armee mit. Die Arabische Liga forderte den Internationalen Strafgerichtshof zu Ermittlungen zu den "Verbrechen der israelischen Besatzer" auf. Bei den Protesten waren mindestens 58 Menschen ums Leben gekommen. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan warf Israel einen "Genozid" vor. Für Dienstag hat Palästinenserpräsident Mahmud Abbas einen Generalstreik ausgerufen, zudem gedenken die Palästinenser am Nakba-Tag traditionell der Vertreibung und Flucht Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948. Das sei hier nicht der Fall gewesen, sagte der Sprecher des Büros, Rupert Colville, am Dienstag in Genf. Einen Zusammenhang der tödlichen Gewalt mit der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem schloss Haley aus. Die Hamas wolle hingegen unter dem Deckmantel der Proteste Anschläge in israelischen Grenzorten verüben. Er wurde darüber informiert, dass der türkische Botschafter in Tel-Aviv zu Konsultationen zurück gerufen wurde. Im Anschluss sei in der Stadt ein großer Protestmarsch gegen das israelische Vorgehen im Gazastreifen geplant. Den Anspruch der Palästinenser auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen künftigen Staat Palästina lehnt Israel ab. "Der Status von Jerusalem kann nur zwischen den Parteien bestimmt werden, in einem unter der Schirmherrschaft der internationalen Gemeinschaft ausgehandelten Rahmen".

Israel warf hingegen der im Gazastreifen herrschenden Hamas vor, Zivilisten auf zynische Weise als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Botschafter Sisa Ngombane werde auf unbestimmte Zeit zurückberufen, erklärte das Ministerium. Er könne für die Bundesregierung nur sagen, "dass eine unabhängige Untersuchungskommission die geschehene Gewalt und die blutigen Zusammenstöße im Grenzraum aufklären könnte", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Diesen Entwurf blockierten die USA jedoch, wie ein Diplomat der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Beim "Marsch der Rückkehr" haben Zehntausende ein Recht auf Rückkehr in das heutige israelische Staatsgebiet gefordert.


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