Börse-Chefaufseher Faber will vorzeitig aufhören

Gleichzeitig kündete der nach dem Horrorjahr 2017 unter Druck stehende Aufsichtsratschef der Deutschen Börse, Joachim Faber, seinen mittelfristigen Rückzug von der Spitze des Kontrollgremiums an. "Wir werden dort bis zu 50 Stellen abbauen, um die Organisation effizienter und agiler zu machen", sagte Konzernchef Weimer bei der Hauptversammlung des Dax-Konzerns am Mittwoch in Frankfurt.

Einige Investoren der Börse und Stimmrechtsberater hatten zuletzt gefordert, Faber - dem viele eine Mitschuld für die Insideraffäre um den zurückgetretenen Vorstandschef Carsten Kengeter im vergangenen Jahr geben - müsse spätestens nach einem weiteren Jahr an der Spitze des Aufsichtsrats seinen Hut nehmen. "Ich möchte mir allerdings vorbehalten, einen Übergang im Vorsitz des Aufsichtsrats im Laufe der neuen Wahlperiode vorzubereiten", sagte er. Ein Zeitpunkt sei aber nicht absehbar. Er werde nicht darauf dringen, "die gesamte Wahlperiode durchzustehen".

Frankfurt. Bei der Deutschen Börse gehen derzeit die Wogen hoch.

Was war geschehen? Im Frühjahr 2017 scheiterte der geplante Zusammenschluss der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange. Im Zuge der Fusionsbemühungen war Ex-Vorstandschef Kengeter in den Verdacht des Insiderhandels geraten.

Die Deutsche Börse will die jährlichen Fixkosten bis Ende 2020 um rund 100 Millionen Euro senken. Ermittler werfen Kengeter vor, dass er bereits im Sommer 2015 Gespräche über eine Fusion geführt habe - lange bevor er die Aktien kaufte. Gegen Kengeter wird wegen des Verdachts auf Insiderhandel ermittelt. Die Hauptversammlung stimmte auch der Erweiterung des Aufsichtsrats von zwölf auf 16 Mitglieder und allen vorgeschlagenen Kandidaten zu.

Die kritischen Einwürfe überschatteten den ersten Auftritt des neuen Börsenchefs Theodor Weimer. Der Umbau kostet den Konzern - etwa wegen Abfindungen - in diesem Geschäftsjahr rund 200 Millionen Euro. Große Fusionsversuche peilt Weimer nicht an, zeigt sich für kleinere Zukäufe aber offen.


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