Landeskirche hält Ausbau des Ethikunterrichts für sinnvoll

Betroffen waren bereits schon vor zwei Jahren (Schuljahr 2015/16) laut Angaben des Kultusministeriums rund 20 Prozent der Grundschülerinnen und Grundschüler, denen keine qualitätsvolle Alternative zum konfessionellen Religionsunterricht geboten wurde. Dafür soll die Wertevermittlung mit dem Schuljahr 2019/2020 in Klasse 7 beginnen. Begründet wird das Vorhaben mit der wachsenden Zahl an Schülerinnen und Schüler ohne kirchliche Bindung.

An den Realschulen und Gemeinschaftsschulen nehmen mittlerweile knapp ein Drittel der Schüler nicht am Religionsunterricht teil. Das Kabinett hat nun beschlossen, den Ethikunterricht schrittweise auf die Klassen fünf bis sieben auszuweiten. An den Gymnasien sind es knapp ein Viertel und an den Werkreal- und Hauptschulen sogar mehr als die Hälfte. Auch Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnähmen, müssten "Orte haben, an denne sie über elementare philosophische Fragen diskutieren können".

"Gemeinsam über unserer Normen und Werte zu sprechen, ist in der heutigen Zeit wichtiger denn je", sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), selbst einst Ethiklehrer am Gymnasium.

Kultusministerin Susanne Eisenmann
1 Kultusministerin Susanne Eisenmann

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) steht dem Konzept kritisch gegenüber. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) kündigte auch an, dass nach der Einführung des Ethikunterrichts an den weiterführenden Schulen die Grundschulen in den Blick genommen werden. Für die FDP-Fraktion kommt das Angebot Jahre zu spät. Das wäre dann im Schuljahr 2022/23. Deshalb lasse sie schon jetzt die Bildungspläne für die Grundschule erarbeiten. Die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz sagte, "Politiker, die in populistischen Debatten Werteunterricht fordern, aber nicht einmal genug Geld dafür ausgeben wollen, dass alle Schüler in unserem Land Ethikunterricht erhalten, sind unglaubwürdig".

Die GEW merkte dazu an: Neben der Erstellung eines Bildungsplans für die Grundschule müsse die Ausbildung der Grundschullehrkräfte verändert werden.

Das sei auch ein Grund, warum das Fach erst später an Grundschulen eingeführt werde. "Für die demokratisch-plurale Gesellschaft ist der Ethikunterricht notwendig", betonte Dan Peter, Kirchenrat der Evangelischen Landeskirche Württemberg, am Dienstag in Stuttgart.


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