Missbrauchsskandal Alle 34 Bischöfe in Chile treten zurück

Das teilte die Bischofskonferenz nach einem Treffen mit Papst Franziskus in Rom mit.

Der Missbrauchsskandal in der chilenischen katholischen Kirche spitzt sich zu.

Es reiche nicht aus, "nur die konkreten Fälle zu behandeln und die betreffenden Personen zu entfernen", heißt es in einem Schreiben des Papstes, das der chilenische Sender Canal 13 in der Nacht zum Freitag veröffentlicht hatte.

Nach deutlicher Kritik von Papst Franziskus wollen nun alle Bischöfe des Landes ihr Amt aufgeben. "Es muss noch mehr geschehen", schreibt Franziskus darin.

Der Vatikan hatte das Treffen mit den Bischöfen Chiles als "synodalen Prozess" angekündigt. Die dreitägigen Gespräche gingen am Donnerstagabend zu Ende.

In der Erklärung danken die Bischöfe den Opfern für ihre "Ausdauer" und ihren "Mut", obwohl sie "mit enormen persönlichen, geistigen, sozialen und familiären Schwierigkeiten konfrontiert" gewesen seien. So seien mehrere Geistliche, die wegen "sittenlosen Verhaltens" entfernt worden seien, wieder in anderen Diözesen aufgenommen worden. Obendrein habe man ihnen Aufgaben mit "einem täglichen und direkten Kontakt zu Minderjährigen" anvertraut.

Der Papst hatte vor einigen Wochen "schwere Fehler" im Umgang mit dem Missbrauchsskandal in der chilenischen katholischen Kirche angeprangert. Dieser soll den Missbrauch eines befreundeten Priesters gedeckt haben, seine Rücktrittsangebote wies Franziskus bislang ab. Vor allem Bischof Juan Barros Madrid soll ihn geschützt haben. Naoch im Januar hatte Franziskus bei seinem Besuch in Chile die Beschuldigungen gegen Barros Journalisten gegenüber harsch zurückgewiesen. Später bat er für seine Wortwahl um Entschuldigung und leitete neue Ermittlungen zu dem Skandal ein.

In den vergangenen Tagen habe man sich mit "schmerzlichen Vorfällen" befasst, so der Papst. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass er alle akzeptiert, da dann die gesamte chilenische Kirche keinen Bischof mehr hätte. Im April äußerte er "Scham" und "Schmerz" angesichts des Leidens der Missbrauchsopfer.

Bis 2012 war er in der vatikanischen Glaubenskongregation als eine Art Staatsanwalt für die kirchenrechtliche Ahndung von sexuellem Missbrauch durch Priester tätig. Der Papst hatte Barros 2015 trotz der gegen ihn erhobenen Vorwürfe zum Bischof von Osorno ernannt. Zwei weitere Treffen fanden am Donnerstag statt.

Zuvor war bereits ein erstes Schreiben bekannt geworden, das Papst Franziskus den Bischöfen mit auf den Weg gegeben hatte.

Charles Scicluna aus Toronto ist ein maltesischer Geistlicher und Erzbischof von Malta. Für Freitag ist eine Stellungnahme des Sprechers der Bischöfe angekündigt. Er erwarte demnächst Konsequenzen, so Bertomeu. Ziel sei es, "gemeinsam vor Gott die Verantwortung aller und jedes einzelnen bei diesen verheerenden Verletzungen zu prüfen".


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