Angela Merkel bei Anne Will: Donald Trumps Rückzug deprimiert

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die zurückgezogene Zustimmung von US-Präsident Donald Trump zur gemeinsamen Erklärung der G7-Staaten scharf kritisiert.

Auf die Idee von Trump, Russland wieder zu den Treffen einzuladen, reagierte sie vorsichtig entgegenkommend: "Ich kann mir das vorstellen, dass Russland wieder dazukommt", sagte Merkel.

Wann wusste Merkel Bescheid über die Zustände im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)? Ein Ende der Partnerschaft mit den USA sah die Kanzlerin trotz der protektionistischen Politik des US-Präsidenten nicht. Dennoch werde sie die Gespräche mit Trump fortsetzen, etwa im Juli beim Nato-Gipfel in Brüssel.

Dem Vorhalt Wills, sie lasse sich von Trump ein ums andere Mal ihre Machtlosigkeit vorführen, widersprach die Kanzlerin. "Das tun wir nicht". Er begründete seine Volte damit, dass Kanada weitere Gegenzölle auf die von ihm verhängten Strafzölle auf Stahl und Aluminium plant. Für den Fall, dass die USA wie geplant auch Strafzölle auf deutsche Autos verhängen sollten, kündigte die Kanzlerin scharfe und - wenn möglich - europäische Gegenmaßnahmen an. Zudem verwehrten die amerikanischen Gliedstaaten europäischen Firmen den Zugang bei Ausschreibungen von öffentlichen Aufträgen - etwas, was jedoch in den USA schon immer so war und nichts mit Trumps Wahl zu tun hat. Es gebe gute Gründe weiter für die transatlantische Partnerschaft zu kämpfen.

Zum Fall der ermordeten Susanna, der in den letzten Tagen für grosses Aufsehen gesorgt hatte, sagte Merkel: "Es ist ein abscheulicher Mord". Der mutmaßliche Mörder der jungen Frau, der Iraker Ali B., hatte gegen die Ablehnung seines Asylbescheids Rechtsmittel eingelegt und damit seine Abschiebung über Monate verhindert.

Die Entscheidung Trumps habe sie in der Haltung bestärkt, sich noch mehr für eine einheitliche, starke Europäische Union einzusetzen, betonte Merkel. Man sei mit Seehofer noch in intensiven Gesprächen.

Die deutsche Bundeskanzlerin zieht nach dem G7-Gipfel Konsequenzen. Merkel findet, nicht nur der Franzose sei kühn, sondern sie auch und fordert eine "gemeinsame Asylbehörde und gemeinsame Asylstandards", gemeinsame Entwicklungspolitik und gemeinsamen Außengrenzenschutz, denn wenn man das nicht hinbekomme, sei "Europa gefährdet".

Die Kanzlerin sagte in der ARD-Sendung weiter, sie übernehme Verantwortung für aktuell diskutierte Missstände im Migrationsamt Bamf. Sie übernehme die politische Verantwortung für den Bamf-Skandal. Man habe damals in der Flüchtlingskrise viel geschafft, aber trotzdem nicht so ideal, wie man es sich heute vorstelle. Man hätte aber das Bamf früher auf die grosse Zahl an zu bearbeitenden Fällen vorbereiten müssen, so Merkel.

Angela Merkel sprach bei Anne Will Klartext.

Trotz der langen Regierungsbildung und vielen Herausforderungen bereut Merkel nach eigenen Worten nicht, erneut als Regierungschefin angetreten zu sein. "Für diese Gedanken habe ich eigentlich sehr wenig Zeit, muss ich sagen", sagte sie am Sonntag in der ARD-Sendung "Anne Will". Es habe sich um eine "Riesenaufgabe" gehandelt, "für die genau auch das Kanzleramt und auch ich ganz persönlich verantwortlich war", sagte sie. "Alle wissen, wie viel auf dem Spiel steht", sagte Richard Grenell den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Mehrfach bekommt Merkel an diesem Abend Applaus, auch als sie sich wünscht, dass die Fans wieder für Ilkay Gündogan klatschen anstatt zu pfeifen.

Auf die Frage, ob sie trotz ihrer Kritik am russischen Präsidenten Wladimir Putin zu Spielen der deutschen Mannschaft reisen werde, sagte Merkel, dies könne gut sein. Sie müsse ihre Entscheidung aber an die sonstigen Verpflichtungen anpassen. Gündogan hatte sich zuletzt erklärt und ein öffentliches Bekenntnis zu seinem Geburtsland Deutschland abgelegt.


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