EIL - Scheuer ordnet Rückruf von 238 000 Daimler-Fahrzeugen an

Das gibt Bundesverkehrsminister Scheuer nach einem Gespräch mit Konzernchef Zetsche bekannt. Betroffen seien fast eine Million Fahrzeuge.

Daimler gerät im Dieselskandal einem Medienbericht zufolge weiter unter Druck: Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) habe inzwischen fünf "unzulässige Abschaltfunktionen" bei Daimler-Modellen entdeckt, berichte die "Bild am Sonntag" (BamS) vorab.

►Neben dem Vito sind vor allem die Volumen-Modelle GLC 220D und C 220D betroffen.

Scheuer teilte weiter mit, der Autobauer Daimler erkläre, "dass mit maximalem Abarbeitungstempo und in kooperativer Transparenz mit den Behörden die vom Bund beanstandeten Applikationen in der Motorsteuerung beseitigt werden".

Für den Kleintransporter Vito hat das KBA wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen bereits einen Pflichtrückruf angeordnet.

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Für den Kleintransporter Vito hat das KBA wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen bereits einen Pflichtrückruf angeordnet

"Die Funktionen sind Teil eines komplexen Abgasreinigungssystems, das eine robuste Abgasreinigung bei unterschiedlichen Fahrbedingungen und über die Nutzungsdauer eines Fahrzeugs sicherstellen soll". Geklärt werden soll, ob diese Programmierungen auch in anderen Fahrzeugen des Herstellers zu finden sind - und wenn ja, in wie vielen. Daimler arbeite allerdings vollumfänglich und transparent mit dem KBA und dem Bundesverkehrsministerium zusammen.

Scheuer hatte Zetsche bereits vor zwei Wochen zu einem ersten Gespräch über Abgas-Vorwürfe nach Berlin geladen, um mehr Informationen zu bekommen.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt schon seit dem Frühjahr 2017 wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung gegen Daimler-Mitarbeiter. Bei Betriebsversammlungen um den 20. Juni herum würden die Beschäftigten Antworten hören wollen.

Wann kommt das Ende der "Salamitaktik?"

"Es kann nicht sein, dass ein Autokonzern nach dem anderen mit jahrelanger Verzögerung und erst nach Detektivarbeit entlarvt wird", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller. Die Aktie ging vorübergehend auf Talfahrt, auch wenn Daimler alles daran setzte, dem Eindruck einer zweiten Abgas-Affäre im Stile des VW-Skandals entgegenzuwirken. Daimler müsse Garantien abgeben, dass die Umrüstungen sinnvoll seien und keinen Schaden nach sich zögen.


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