Mittelmeer: Spanien nimmt Schiff mit 629 Flüchtlingen auf

Der neue italienische Innenminister Matteo Salvini, der auch der der rechtsextremen Regierungspartei Lega vorsteht, hatte im Wahlkampf versprochen, den Flüchtlingsstrom nach Italien zu stoppen. Der neue italienische Innenminister Matteo Salvini drohte am Sonntag mit einer Hafensperre für Rettungsschiffe und nahm insbesondere Malta in der Flüchtlingskrise in die Pflicht. Sie erklärten, ihre Häfen stünden weiterhin Flüchtlingsschiffen offen.

Flüchtlinge auf der "Aquarius", einem Such- und Rettungsschiff, das von Ärzte ohne Grenzen zusammen mit SOS Mediterranée betrieben wird. Unter den Geretteten seien 123 unbegleitete Minderjährige, elf Kinder und sieben schwangere Frauen. Ein EU-Sprecher sagte am Montag in Brüssel: "Für die Kommission zählt an erster Stelle ein humanitärer Imperativ". Wir reden hier über Menschen. Derzeit kommen zwar deutlich weniger Migranten in Italien an, der neuen Regierung aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega sind es aber immer noch zu viele.

Das Schiff hatte 629 Migranten an Bord genommen, die in sechs verschiedenen Einsätzen teilweise in der Nacht von Samstag auf Sonntag gerettet wurden. In einer gemeinsamen Erklärung mit dem für die italienische Küstenwache zuständigen Minister Danilo Toninelli betonte er, Malta könne "nicht länger wegschauen, wenn es darum geht, internationale Konventionen zum Schutz menschlichen Lebens zu respektieren".

Malta hatte bereits am Freitag die Einfahrt des NGO-Schiffes "Seefuchs" mit 126 Migranten nicht erlaubt.

Maltas Regierungschef Joseph Muscat habe daraufhin mit dem italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte gesprochen und betont, "dass sich Malta vollständig seiner internationalen Verpflichtungen entsprechend" verhalte, teilte die maltesische Regierung am Sonntagabend mit.

Wochenlang gab es nur wenige Rettungseinsätze im Mittelmeer.

► Im gleichen Zeitraum landeten an Italiens Küsten unter Anweisung der zentralen Seenotrettungsleitstelle in Rom 119 310 Menschen an - und das, obwohl Malta näher an der Such- und Rettungszone vor Libyen liegt als Sizilien.

2016 flammten Spekulationen über einen "Geheimdeal" zwischen Rom und Valletta auf, wonach Italien vor Malta nach Öl bohren dürfe und im Gegenzug Migranten ins eigene Land bringe. Allerdings ist die Insel weniger als halb so groß wie Berlin.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen appellierte an die Beteiligten, eine "schnelle Lösungen" zu finden. "Die Verzögerung der Einsätze gefährdet die Gesundheit Hunderter Menschen, die dringend versorgt werden müssen", schrieb das UNHCR auf Twitter.

Die Migranten an Bord wüssten nichts von der "diplomatischen Pattsituation", erklärte Ärzte ohne Grenzen auf Twitter.

Doch die Flucht nach Europa wagen Flüchtlinge auch über die westliche Route des Mittelmeers. Während der Nacht wurden weitere 600 Menschen gerettet und auf dem Schiff Aquarius, dem Gegenstand des Konflikts mit Malta, umgeladen.

Am Samstag hatten die deutschen Organisationen "Sea-Eye" und "Sea-Watch" Gerettete nach Italien gebracht.


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