Nach dem G-7-Gipfel: Trumps Berater verschärfen ihre Angriffe auf Trudeau

Doch dann geschah das Unglaubliche. Es gab danach noch einen Eklat, weil Trump nach seiner verfrühten Abreise von Kanada nach Singapur im Flugzeug aus Verärgerung über Äußerungen von Kanadas Premier Justin Trudeau im Handelsstreit seine Zustimmung zu der hart errungenen gemeinsamen Erklärung einfach wieder zurückgezogen hatte.

Einen Tag, nachdem Trump seine Zusammenarbeit mit der Gruppe der westlichen Staaten zumindest vorläufig aufgekündigt hat, waren die Sorge der Kanzlerin und ihrer Gäste im Kanzleramt spürbar, dass Trump auch sein Engagement in den internationalen Organisationen reduzieren könnte. Was war da los? Eine Stellungnahme von Trudeau an der Abschluss-Pressekonferenz des G-7-Gipfels am Samstag, wonach sich Kanada von seinem südlichen Nachbarn nicht länger herumkommandieren lasse und nötigenfalls amerikanische Importe mit Strafzöllen belege - falls die Regierung Trump nicht von ihrer konfrontativen Handelspolitik ablasse. Auch dem Protektionismus wurde der Kampf angesagt. Dies löst einen Wutausbruch an Bord der Präsidentenmaschine aus. Das sei "unehrenhaft und schwach". Zudem verwehrten die amerikanischen Gliedstaaten europäischen Firmen den Zugang bei Ausschreibungen von öffentlichen Aufträgen - etwas, was jedoch in den USA schon immer so war und nichts mit Trumps Wahl zu tun hat. Trudeau reagierte auf diese Vorwürfe am Sonntag nicht und veröffentlichte bei Twitter lediglich einen Link zur G7-Abschlusserklärung mit dem Hinweis: "Das ist das, was zählt". "Wir halten an dem Kommuniqué fest, so wie es von allen Teilnehmern vereinbart wurde", sagte ein Sprecher von EU-Ratspräsident Donald Tusk der Deutschen Presse-Agentur.

Dessen ungeachtet drohte Trumps Handelsberater Peter Navarro Trudeau mit dem Jüngsten Gericht. Zwei Tage später legt der US-Präsident noch einmal nach. Er posierte fröhlich winkend für das "Familienfoto" der Staatenlenker, verteilte Bestnoten für sein Verhältnis zu den G7-Partnern und lobte den Gastgeber für seine Gipfelregie: "Justin hat einen wirklich guten Job gemacht".

Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump den Gipfel führender Industrienationen in Kanada frühzeitig verlassen. Auch die anderen stehen, unter anderem Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron, die britische Premierministerin Theresa May und Japans Regierungschef Shinzo Abe, auch dieser mit verschränkten Armen.

Als eine Art Freundlichkeit war es wohl auch gedacht, dass sich Trump trotz aller Differenzen über den Handel, den Klima- und Umweltschutz sowie das Atomabkommen mit dem Iran auf die Gipfelerklärung einließ. "Wichtig ist, dass die Europäer weiter geschlossen agieren", sagte der CDU-Politiker am Montag im Deutschlandfunk. Die Argumente des US-Präsidenten dafür "haben mich nicht überzeugt", sagte sie. Eine Wiederaufnahme Russlands ist nur einstimmig möglich.

Wie es auf der Plattform der G7 weitergehen soll, weiß gleichwohl heute niemand. Die Drohung zu den Autos dürfte Deutschland als großer Exporteur besonders umtreiben. "Sondern wir handeln dann auch", sagte Merkel am Sonntagabend in einem Interview mit Anne Will mit Blick auf die von Trump verhängten Strafzölle auf Stahl und Aluminium. Vielmehr sei es andersherum: Trump werde sich nicht von Trudeau herumschubsen lassen.

Soviel Widerstand ist für Trump schwer erträglich. Auch abgeschobene Asylbewerber, die wieder nach Deutschland einreisen wollen, sollen demnach konsequent abgewiesen werden. Merkel sagte, wenn sie in der Zeit zurückgehen könnte, hätte sie beim BAMF sehr viel früher angefangen sehr viel stärker ranzugehen.


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