Mazedonien-Namensstreit nach einem Vierteljahrhundert beigelegt

Der Kompromiss zur Beilegung des Namensstreits zwischen Mazedonien und Griechenland hat in beiden Ländern Kritik hervorgerufen.

Zuvor hatte bereits der griechische Regierungschef Tsipras die Einigung verkündet. Sein Amtskollege in Skopje prophezeite: "Auf unser Land kommen jetzt bessere Zeiten zu".

Tsipras zufolge war es Griechenland wichtig, dass der nördliche Nachbarstaat seinen Namen Mazedonien "mit einer zusätzlichen geografischen Bezeichnung" versieht. Nach den Balkankriegen wurde Mazedonien 1993 unter der Bezeichnung "ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien (Fyrom)" in die Uno aufgenommen. Griechenland lehnt den Staatsnamen Mazedonien ab, weil seine im Norden liegende Provinz ebenfalls so heißt.

Der Namensstreit geht auf den Zerfall Jugoslawiens Anfang der 1990er Jahre zurück, als die damalige Teilrepublik Mazedonien ihre Unabhängigkeit erklärte. Damit wird auch der Weg frei für den Beitritt Mazedoniens zur Nato und für die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen. "Es ist ein nationaler Rückzug, dass Athen die Existenz einer mazedonischen Sprache und einer mazedonischen Ethnie akzeptiert hat", twitterte ND-Parteichef Kyriakos Mitsotakis am Dienstag. "Auf diese Weise sichert unser Land vollkommen und absolut seine Interessen und verliert nicht seinen Verhandlungsvorteil", versicherte der Ministerpräsident seinen Landsleuten, um abschließend für eine Unterstützung seiner Politik zu werben: "Es handelt sich um einen historischen Moment für den Balkan und unsere Völker".

Athen befürchtete spätere Gebietsansprüche des nördlichen Nachbarn.

Athen/Brüssel - Griechenland und Mazedonien haben ihren jahrelangen Streit um den Namen der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik beigelegt.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg lobte den Kompromiss ebenfalls. Ein entscheidendes Hindernis für die Annäherung Skopjes an die EU und Nato sei damit aus dem Weg geräumt.

Auch Bürger beider Länder protestierten infolge der Vereinbarung auf den Strassen.

Mogherini und EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn setzen nun darauf, dass der EU-Gipfel Ende Juni den Weg zur Eröffnung von Beitrittsverhandlungen freimacht.

Othmar Karas, ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament, reagierte in einer Aussendung erfreut: "Das ist eine historische Einigung, die viele zeitweise nicht mehr für möglich gehalten hatten".

"Mit anderen Worten, wenn die Verfassungsänderung nicht erfolgt, wird die Einladung zur Aufnahme in die Nato aufgehoben, und die Aufnahmeverhandlungen für die EU werden nicht beginnen", so Tsipras, der auch ankündigte, Griechenland werde die Vereinbarung erst dann ratifizieren, wenn das Nachbarland alle Vorleistungen erbracht habe.


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