Abgasaffäre - Audi-Chef Rupert Stadler festgenommen

Am vergangenen Montag fand eine Razzia in Stadlers Privatwohnung statt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Volkswagen, Daimler, BMW & Co. den Schaden bald selbst reparieren können, den sie angerichtet haben, ist am Montag kleiner geworden. Die beiden hätten Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung in Europa in den Verkehr gebracht. Wie konnte das passieren? Auch die Wohnung eines anderen amtierenden Audi-Manager war durchsucht worden. Stadler blieb stehen. Er strauchelte vielleicht mal, aber dann stand er wieder auf. Als Sohn eines Landwirts wuchs er in der Region nördlich von Ingolstadt auf. Der 56-Jährige ist seit rund einem Dreivierteljahr Vertriebsvorstand bei Audi. Die hielten ihm auch deshalb die Treue, weil sie um seine Leistungen der Vergangenheit wussten.

Audi-Chef Stadler ist seit elf Jahren Audi-Chef und leitet im Volkswagen-Konzern die wichtige Premiumgruppe mit der Marke Audi an der Spitze. Und tatsächlich schien Stadler dies zunächst zu gelingen: In den ersten Jahren avancierte Audi zum neuen Star der deutschen Premiummarken - und Stadler zum gefeierten Top-Manager. 2011 kürte ihn das Magazin "Wirtschaftswoche" zum Vorstandschef des Jahres.

Inzwischen gilt Audi als Keimzelle des Dieselskandals. Der Verdacht: Betrug im Zusammenhang mit der Diesel-Affäre.

Audi soll in den USA und Europa von 2009 an rund 220.000 Dieselautos mit Schummelsoftware verkauft haben. Noch Anfang November 2015 dementierte das Unternehmen per Pressemitteilung, in den Dieselmotoren eine unzulässige Abschaltvorrichtung eingebaut zu haben.

Der Audi-Chef Rupert Stadler ist in der Dieselaffäre festgenommen worden. Nun sitzt er in Untersuchungshaft.

Im VW-Konzern ist der Audi-Chef nicht der einzige aktive Spitzenmanager im Fadenkreuz der Ermittler: Gegen den Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Denn er setzt bisher beim Umbau des Wolfsburger Mehr-Markenkonzerns auf den Audi-Chef. Ein VW-Sprecher betonte, es gelte nach wie vor die Unschuldsvermutung.

Genau an dieser Unschuld zweifeln die Ermittler.

► Die Staatsanwaltschaft in München ermittelt gegen Stadler und ein weiteres Mitglied des Audi-Vorstands. Dabei geht es um den Vorwurf, dass Dieselfahrzeuge mit manipulierter Software auf den europäischen Markt gebracht wurden. Eigentlich wollte man dem Audi-Boss den Rücken stärken.

Stadler soll nach der Aufdeckung der Manipulationen in den USA von den falschen Abgaswerten auch in Europa gewusst, aber anders als in den USA keinen Vertriebsstopp angeordnet haben. Noch ist allerdings unklar, ob tatsächlich Anklage erhoben wird. Vorläufig ersetzen solle ihn Audi-Vertriebschef Bram Schot, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Konzernkreise. Vergangenen Dezember präsentierte sich Rupert Stadler beim Redaktionsbesuch der Heilbronner Stimme als Manager, der mit Audi den Aufbruch in neue Zeiten anvisiert - mit einer neuen Unternehmenskultur: "Wir haben das Unternehmen organisatorisch deutlich verändert", sagte er damals.


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