Steigende Kriminalität in Deutschland? Merkel widerspricht Trump

Auch in den USA hatten Medien und Internetnutzer ihm die wahren Zahlen vorgehalten: Tatsächlich war die Kriminalität in Deutschland 2017 auf ihrem tiefsten Stand seit 1992.

US-Präsident Donald Trump hat den deutschen Behörden erneut falsche Angaben zur Entwicklung der Kriminalität vorgeworfen.

Die Kriminalität in Deutschland habe "um zehn Prozent plus" zugenommen, "seit Migranten aufgenommen werden", schrieb Trump auf Twitter.

Unklar ist, welchen Zeitraum Trump genau zu Grunde legt.

Zugleich verteidigen Trump und andere Regierungsvertreter die rigorose Linie: "Wir müssen immer Leute festnehmen, die illegal in unser Land kommen", twitterte der Präsident am Dienstag.

In einem weiteren Tweet nur wenige Sekunden später fügte der US-Präsident zudem an: "Wenn es keine Grenzen gibt, dann gibt es kein Land!" Dumm nur für Trump, dass sich das so nicht belegen lässt. Nach der polizeilichen Kriminalstatistik ist die Zahl der Straftaten in Deutschland 2017 auf das niedrigste Niveau seit 25 Jahren gesunken. Rechnet man die rein ausländerrechtlichen Verstöße heraus, ergibt sich demnach ein Minus von 5,1 Prozent. Der Anteil tatverdächtiger Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit hat sich im Vergleich zu 2016 von 40,4 auf 34,8 Prozent reduziert. Besonders deutlich sank die Zahl der Wohnungseinbrüche und Taschendiebstähle, und zwar um jeweils rund 23 Prozent.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wies Trumps Angaben zur Kriminalität in Deutschland zurück. Die kürzlich vorgelegte Polizeiliche Kriminalstatistik zeige "leicht positive Entwicklungen" auf, sagte Merkel am Dienstag. Die Kriminalstatistik "spricht für sich", betonte Merkel bei einem Treffen mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron im brandenburgischen Meseberg.

Trump hatte dennoch bereits am Montag Deutschland als warnendes Beispiel dafür beschrieben, dass durch die Zuwanderung die Kriminalität deutlich zunehme. Ebenfalls via Twitter hatte er verkündet: "Die Menschen in Deutschland wenden sich gegen ihre Führung". Schon am Montag offenbarte er sein Motiv für den Angriff auf Europas Flüchtlingspolitik ("ein großer Fehler, Millionen von Menschen hereinzulassen"): "Wir wollen nicht, dass das, was mit der Immigration in Europa passiert ist, uns auch passiert".

Der Tweet hatte in den USA und in Deutschland Empörung ausgelöst.

Die Einwanderungspolitik des US-Präsidenten ist momentan Gegenstand einer heftigen innenpolitischen Debatte.

Kinder und Erwachsene protestieren in Miramar, US-Bundesstaat Florida, gegen die Praxis der US-Behörden, die Kinder illegaler Einwanderer beim Grenzübertritt von deren Eltern zu trennen. Fast 2000 Eltern wurden ihren Kindern entrissen.

Die Kritik an diesem Vorgehen schwoll zuletzt auch in den Reihen von Trumps Republikanischer Partei an.


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