Chronist des Holocaust: "Shoah"-Regisseur Claude Lanzmann ist tot"

Der französische Regisseur und Autor Claude Lanzmann ist tot. Sein Holocaust-Dokumentarfilm "Shoah" macht ihn weltberühmt. Nun ist der Franzose im Alter von 92 Jahren verstorben. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich schrieb er für die Tageszeitung "Le Monde" eine Artikelserie über das geteilte Deutschland. Der Regisseur des Holocaust-Zeitzeugenfilms "Shoah" starb im Alter von 92 Jahren, wie seine Ehefrau bestätigte.

Lanzmann wurde am 27. November 1925 in Paris geboren. Seine Großeltern waren jüdische Immigranten aus Osteuropa. Während des Zweiten Weltkrieges schloss er sich 1943 der französischen Résistance gegen die nationalsozialistische deutsche Besatzungsmacht an und beteiligte sich an Partisanenkämpfen. Als Jugendlicher engagierte er sich in der kommunistischen Jugendbewegung Frankreichs, der französischen Widerstandsbewegung, er studierte Philosophie und war Lektor an der Freien Universität Berlin.

Lanzmann war mit dem legendären Philosophen Jean-Paul Sartre befreundet und führte mit der Schriftstellerin und Feministin Simone de Beauvoir eine siebenjährige eheähnliche Beziehung. Zu dem Themenkomplex drehte er eine hoch gelobte Filmtrilogie, die 1973 mit seinem Regiedebüt "Pourquoi Israel" ("Warum Israel") begann, worin er sich mit dem Selbstverständnis des Staates Israel befasste.

Der Film machte das hebräische Wort für "Katastrophe, Vernichtung" auch in anderen Sprachen zum Synonym für den Völkermord der Nationalsozialisten an den europäischen Juden. Der frühere Widerstandskämpfer ließ darin Opfer und Täter des Holocaust zu Wort kommen. Die Berlinale-Jury, die Lanzmann 2013 den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk verlieh, würdigte "Shoa" als "epochales Meisterwerk der Erinnerungskultur". Noch im vergangenen Jahr präsentierte er beim Filmfestival in Cannes außer Konkurrenz den Dokumentarfilm "Napalm", für den er 2004 und 2015 in das diktatorisch geführte Nordkorea gereist war.


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