Claudia Neumann: ZDF-Reporterin wehrt sich gegen Shitstorm

Claudia Neumann musste in den letzten Wochen einiges über sich ergehen lassen. "Bildet euch weiter, erweitert euren Bewusstseinshorizont, dann lernt man auch, andere Haltungen zu tolerieren", erzählt Claudia Neumann im Interview mit der "Zeit". Das sei alles auch kein reines Claudia-Neumann-Problem, sondern ein "gesellschaftliches Phänomen". Und das betreffe nicht nur weibliche Kommentatorinnen, sondern auch homosexuelle Spieler und Fußballer mit Migrationshintergrund.

Noch mal Neumann: "Gewissen Menschen scheint zumindest jegliche Form des Anstands abhandengekommen zu sein". Jedes Anderssein gehe ihnen "gegen den Strich".

Berlin - Nach Tagen der Anfeindungen hat sich ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann erstmals zu den sexistischen Beleidigungen gegen sie geäußert.

Da Neumann die einzige Frau ist, die WM-Spiele kommentiert, sind viele der Beleidigungen frauenfeindlich. Unter anderem der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) setzte sich öffentlich für Neumann ein. Neumann versucht, sich nicht damit zu beschäftigen, und meidet Twitter. "Ich knicke doch nicht vor diesen Leuten ein".

Das ZDF stellte wegen der Angriffe im Internet bereits Strafanzeige gegen zwei Nutzer, die sich Neumann in sozialen Medien gegenüber extrem abfällig geäußert, sie beleidigt und öffentlich zu Straftaten aufgefordert hatten. Seit der EM 2016 - schon damals war sie zur Zielscheibe geworden - überlege sie sich aber "zweimal, mit welchen Worten und mit welcher Wucht ich einen Spieler oder Trainer oder Manager kritisiere, weil ich nun weiß, wie tief das gehen kann".

Es gehe bei der Kritik nicht um sie als Person, "sondern darum, dass sich Frauen erdreisten, in exponierten Positionen im Fußball aufzutauchen", sagte Neumann. Generell werden Fußball-Kommentatoren im Netz immer wieder heftig angegangen. Sie sei zwar keine Feministin, übernehme als Vorreiterin aber "einen Teil Verantwortung im gesellschaftlichen Bereich".


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