Fußball-WM - Belgien wirft überraschend Brasilien raus

Belgien hat am Freitag den großen Traum Brasiliens vom sechsten WM-Titel seiner Geschichte beendet.

Riesenjubel: Belgien besiegt Brasilien und zieht erst zum zweiten Mal (nach 1986) in ein WM-Halbfinale ein! Für Brasilien war es die erste Niederlage nach 15 Spielen. Eine Ecke von Neymar wurde von Miranda verlängert, Thiago Silva wurde davon überrascht, bekam den Ball an den Oberschenkel, von wo aus das Spielgerät an den Pfosten sprang - Riesendusel für Belgien (8.)! Nach dem Sieg Frankreichs über Uruguay steht nun auch das Nachbarland Belgien im Halbfinale der Fußballweltmeisterschaft in Russland.

De Bruyne, der dieses Mal offensiver ans Werk gehen durfte als zuletzt und nun schon der neunte belgische Torschütze bei dieser WM ist, gab gemeinsam mit dem überragenden Eden Hazard den Strategen der belgischen Konterattacken.

Im Duell der besten Offensive gegen die stärkste Defensive der WM übersprangen beide Teams die Abtastphase und suchten den schnellen Weg nach vorne.

Die "Roten Teufel" waren da effektiver - dank eines Eigentors!

Vorne kamen sie immer besser ins Spiel. In der 31. Minute demonstrierte Martínez' Mannschaft eindrucksvoll ihre Konterstärke: Nach einem Eckball der Brasilianer startete Romelu Lukaku ein Solo über den halben Platz, bediente De Bruyne, und dieser traf mit einem satten Rechtsschuss zum 2:0. Fernandinho fälschte einen Corner mit der Schulter unhaltbar ins eigene Tor ab. Belgien wirkte vor allem bei Kontern gefährlich und kam bei schnellen Gegenstößen auch immer wieder in aussichtsreiche Positionen.

Als Lehrbeispiel fiel das 2:0: Unnachahmlich schüttelte der ebenso dynamische wie durchsetzungsstarke Lukaku seine Gegenspieler ab wie lästige Mücken vom Wolgaufer, und seinen Pass nahm De Bruyne dankbar auf: Fast ansatzlos und knallhart hämmerte der 27-Jährige den Ball in die lange Ecke.

Brasiliens Superstar Neymar hingegen kam in Hälfte eins überhaupt nicht zur Geltung, weder bei Dribblings noch bei Schauspieleinlagen. Einen Distanzschuss von Philippe Coutinho parierte er exzellent (37.).

Der Zwischenstand passte hervorragend ins Konzept der Belgier.

Und Neymar? Der hatte seinen ersten Auftritt kurz nach dem Wiederanpfiff, als er in den Strafraum der Belgier dribbelte - und dann das machte, was er bei dieser Weltmeisterschaft am häufigsten machte: schauspielern. Der Vorsprung hätte zur Pause auch größer sein können. In der 76. Minute kam dann aber wieder Hoffnung in die Gesichter des WM-Favoriten, als der eingewechselte Renato Augusto nach perfekter Coutinho-Vorarbeit per Kopf das 2:1 erzielte. Doch trotz sekundenlanger Rücksprache mit Video-Assistent Daniele Orsato aus Italien entschied sich der serbische Schiedsrichter Milorad Mazic unverständlicherweise gegen einen Strafstoß (55.).

In der Schlussphase drückten die Brasilianer vehement. Auch eine Flugeinlage Neymars in der Nachspielzeit nach Körperkontakt war nicht elfmeterreif. Belgien kämpft am Dienstag im Halbfinale dann gegen Frankreich um den Einzug ins Finale - zwei besonders offensivstarke Mannschaften, das könnte ein echtes Spektakel werden. Einen Wermutstropfen gab es noch beim Sieger: Der auf den Rechtsverteidigerposten gerückte Thomas Meunier sah die zweite Gelbe Karte im Turnier und fehlt damit gegen Frankreich.


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