Tod mit 92 Jahren: "Shoah"-Regisseur Claude Lanzmann gestorben"

Claude Lanzmann (1925-2018) ist tot. Zuvor hatte die Zeitung "Le Monde" berichtet.

"Claude Lanzmann hat mit seinem Filmwerk ‚Shoah' eine tief beeindruckende Dokumentation über den Holocaust geschaffen".

Seine journalistische Arbeit war dabei immer auch philosophisch unterfüttert, war Lanzmann doch mit Jean-Paul Sartre befreundet und führte mit der Schriftstellerin und Feministin Simone de Beauvoir eine siebenjährige Beziehung. Die Berlinale-Jury, die Lanzmann 2013 den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk verlieh, würdigte "Shoah" als "epochales Meisterwerk der Erinnerungskultur". Dann, als einer der Schläger, ihn auch als "kleinen Juden "entdeckte, leugnete Claude - "wie weiland der biblische Petrus: ›Aber, nein, ich bin kein Jude‹."Von diesem Moment an nahm er sich vor, dass dies das letzte Mal gewesen sei, sich nicht zu seiner Herkunft zu bekennen". Darin ließ er nicht nur Opfer, sondern auch Täter des Holocausts in Interviews zu Wort kommen. Ein Happy End der Geschichte, das Lanzmann nie akzeptiert hätte - auch da, wo ihm viele Kritiker vorwerfen, selbst affirmativ zu werden, wie etwa in seinem Film über die israelische Armee "Tsahal", bleibt bei genauerem Hinsehen Lanzmann selbst "mittendrin und außerhalb", eine Positionsbestimmung, die letztlich noch nicht einmal schlecht auf das Gemeinwesen Israel selbst zu passen scheint: mittendrin im Nahen Osten und doch im Außerhalb auch Europas. Sein Holocaust-Dokumentarfilm "Shoah" macht ihn weltberühmt. "Seine Filme sind Filme gegen das Verschweigen, Verdrängen und Vergessen", so Christoph Heubner vom Internationalen Auschwitz Komitee. Als Jugendlicher engagierte er sich in der kommunistischen Jugendbewegung Frankreichs, der französischen Widerstandsbewegung. Er reist nach China und Korea und engagiert sich gegen den Algerienkrieg. Seine Erfahrungen mit Antisemitismus hielten ihn jedoch nicht davon ab, nach dem Ende des Krieges nach Deutschland zu gehen, um dort Philosophie zu studieren. Noch heute gibt er die von Sartre gegründete Zeitschrift "Les Temps Modernes" heraus.

Seinen ersten Film "Warum Israel" hatte er 1972 gedreht. "Daneben reflektiert er seine Lebensgeschichte als Spiegel der politischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts".

Zu Lanzmanns weiteren filmischen Wagnissen zählt auch "Der letzte der Ungerechten".

Lanzmann war dreimal verheiratet, darunter auch mit der 2016 gestorbenen deutschen Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff.


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