US-Strafzölle gegen China - USA beginnen größten Handelskrieg der Wirtschaftsgeschichte

Die USA und China bleiben im Handelsstreit auf Konfrontationskurs. Auch andere Handelspartner - allen voran Deutschland - geraten zwischen die Fronten.

Washington habe den "größten Handelskrieg der Wirtschaftsgeschichte" angezettelt, wirft die Führung in Peking der Trump-Regierung vor. Sein Land werde sich "Drohungen und Erpressung" nicht beugen.

Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang forderte im Vorfeld der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen am Montag die deutsche Regierung in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" auf, gemeinsam mit seinem Land "die auf Regeln beruhende multilaterale Ordnung" zu verteidigen.

Die US-Zölle traten um Mitternacht der Ostküstenzeit in Kraft, wie das Büro des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer bestätigte. Sollte Peking nicht aufgeben und weiter mit Vergeltung reagieren, seien die USA bereit, chinesische Importe mit Zöllen von bis zu 200 Milliarden Dollar - und dann mit zusätzlich 300 Milliarden Dollar - zu belegen, drohte Trump.

Nur eine Minute verstrich, bevor um 6.01 Uhr Strafzölle auf 545 US-Importe im Wert von 34 Milliarden Dollar verhängt wurden. Im Fokus stehen landwirtschaftliche Produkte wie Sojabohnen und Lebensmittel, Fahrzeuge, andere Zwischenprodukte wie Plastic und Chemikalien sowie mineralische Brennstoffe und Konsumgüter. Den Konflikt könnte auch in der Schweiz zu spüren sein – wenn er zu einem unkontrollierbaren Handelskrieg anschwillt.

Trumps Regierung argumentiert, dass China Raubtiertaktiken anwende, um technologisch an den USA vorbeizuziehen. Neben China geriet vor allem die Europäische Union ins Blickfeld.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Bereitschaft signalisiert, über Zollsenkungen zu verhandeln. Sie sei bereit zu Verhandlungen "über Zölle im Automobilbereich mit mehreren Staaten, also nicht allein mit den Vereinigten Staaten", sagte ihr Sprecher. So wurde jüngst bekannt, dass China sich mit der EU darauf verständigt hat, in Arbeitsgruppen Reformvorschläge für die WTO auszuarbeiten. Regierungschef Xi Jinping sprach am Freitag vom "größten Handelskrieg der Weltgeschichte", den Trump ausgelöst hat. Seine Linie ist in den USA umstritten.

In den von Vergeltungszöllen betroffenen US-Branchen herrscht Aufregung. China, Kanada und Mexiko verlangen etwa künftig erhöhte Zölle auf Schweinefleisch-Produkte, die EU hat Whiskey mit Vergeltungszöllen belegt.

Mit dieser ersten Runde von Strafzöllen steuern die beiden größten Volkswirtschaften auf einen handfesten Handelskrieg zu, da Trump im Falle chinesischer Vergeltung eine Eskalation in Aussicht gestellt hat. "Wir sollten gute Patrioten sein und das waren wir". "Deutschland hat - anders als die USA - stark vom wirtschaftlichen Aufstieg Chinas profitieren können". Eine Bestellung von 180 Airbus-Flugzeugen sei bereits aufgeschoben, damit Peking möglicherweise mehr beim US-Hersteller Boeing kaufen kann.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist mit gegenseitigen Strafzöllen eskaliert. "Es wird befürchtet, dass, egal wie sich der Konflikt weiter entwickelt, europäische Unternehmen zu den Verlierern gehören werden", hieß es. Daimler etwa hat deshalb bereits seine Prognose gekappt. Auch BMW ist betroffen. Fast jeder fünfte BMW, der in China verkauft wird, kommt aus den USA. Doch werden sie mit den neuen Vergeltungsmaßnahmen auf 40 Prozent wieder angehoben. An solchen Gespräche müssten aber neben den USA und Europa noch andere Länder beteiligt sein, denn nur so wäre eine Vereinbarung eines umfassenden Zollabbaus WTO-konform. Die US-Wirtschaft lebt zu zwölf Prozent vom Export, Chinas Wirtschaft sogar zu 20 Prozent. Auf US-Importe im Wert von 15,4 Mrd.

Nur dürfte der Streit nicht auf den Außenhandel begrenzt bleiben.

Weitere Rachemaßnahmen, die China gegen die USA ergreifen könnte: das Geschäftsumfeld der US-Firmen, die in China aktiv sind, durch angebliche Hygienevorschriften und Umweltauflagen so zu erschweren, dass sie in Mitleidenschaft gezogen werden. Wie schon in Streitigkeiten mit Japan und Südkorea könnten Chinas Behörden die Unternehmen in Sachen Feuerschutz, Hygiene, Arbeitssicherheit oder Zollabfertigung drangsalieren.


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